Erdäpfel, rote Rüben

Ein Markttag mit Slow Food, der Welt und den Retzer:innen

Das gute Leben genießen am Genussmarkt im Retzer Land.

Ein Mann macht keinen Markt, sagt ein Sprichwort. Ein „zuagroastes“ Wiener Gastronomenpaar aber sehr wohl: Michael Vesely und Adelheid Reisinger verankern Retz mit ihren kulinarischen Initiativen auf der niederösterreichischen Genuss-Landkarte und lassen Einheimische wie Gäste das Retzer Land und seine Lebensmittel erschmecken.

Ein weitläufiger Platz, umrahmt von historischen Gebäuden, allesamt in Pastellfarben, dazwischen ein alles überblickender Rathausturm, den man jederzeit über 128 Stufen erklimmen kann. Und ihm zu Fuße jeden Samstag ein belebter Wochenmarkt mit vielfältigen Ständen von Gemüse und Gebäck, Kimchi und Kaffee, Wachteleiern und Weinbergschnecken, mit gemütlichen Heurigenbänken – sowie jeder Menge Besucher:innen.

Wöchentlich kommen hier die besten Produzent:innen der Region zusammen und lassen die Besucher:innen eintauchen in die handwerklich hergestellten Lebensmittel des nördlichen Weinviertels – traditionell, aber auch innovativ. Marktinitiator Michael Vesely führt nur zu gerne über den Markt – wer könnte es auch besser als er, der jeden Standler, jede Standlerin persönlich kennt, der zu jedem Produkt die Geschichte weiß und oft sogar noch das eine oder andere Rezept mit dazu liefert!

Das Weinviertel schmecken

Wer wissen will, wie das Weinviertel schmeckt, wird in der reichhaltigen, saisonalen Gemüsevielfalt am Stand der kleinen Marktgärtnerei „Bio a La Karth“ fündig. Jeden Samstag bieten Thorsten und Mabel Karth in bunten Körben an, was sie morgens auf ihrem Hof frisch geerntet haben. Wenige Schritte weiter wollen die sogenannten „Honigdiebe“ mit ihren „Lagen-Honigen“ den Geschmack der Region konservieren: Geschulte Gaumen können die Unterschiede zwischen Retzer und Haugsdorfer Blüten erschmecken. Alexandra Slavik von der „naturgilde“ wiederum verarbeitet Honig zu dem stärkenden Elixier Oxymel sowie zu Honig-SirupSaisonales und regionales Wild aus eigener Jagd gibt’s bei Hans Siegl, frischen und geräucherten Fisch aus nachhaltiger Fischzucht am Stand von Gerhard Heger. Wer Brot nach alter Handwerkstradition probieren möchte, ist am Stand vom Waldviertler Bäckermeister Fritz Potocnik richtig, der seine langzeitgeführten Bio-Sauerteigbrote aus dem nahegelegenen Altenburg backofenfrisch zum Retzer Genussmarkt bringt. Seine handgeschlagene Semmel füllt die Landfleischerei Sturm gleich am Nebenstand mit würzigem Leberkäse – ein beliebtes Marktfrühstück. Und einmal quer über den Marktplatz findet man Jutta Poinstingls Wachtelwerkstatt mit langsam gewachsenen Wildmasthendln und eingelegten Wachteleiern neben den Weinviertler Weinbergschnecken, die Jessica Wyschka in Obritz züchtet.

Die Welt kosten 

Auch internationale Einflüsse haben ihren Weg nach Retz gefunden. „Gutes vom Gutshof“ bietet seine mehr als 100 Gemüsesorten aus regenerativem Gemüseanbau nicht nur frisch an, sondern zum Teil auch als „Weinviertler Kimchi“ fermentiert und konserviert im Glas. Kaffeespezialitäten serviert Bernd Salat, der in seiner Waldviertler Heimat Kaffeebohnen in kleinen Chargen langsam und schonend zu Salatkaffee röstet. Steht er nicht selbst am Markt, serviert auch Manfred Hauser (Hauser’s Hölzelmühle) Bernds Kaffee. Feurig wird’s bei „Sunrise-Chili“, wo Chili-Saucen in sieben Schärfegraden warten. Auf den Geschmack Asiens kommen wir bei Gerda Krähan, die mit „Retzer Soja“ Tofu, Tempeh und Miso herstellt.

Ort des bewussten Genießens

Als kulinarischer Hotspot ist Retz, ebenfalls auf Initiative der Genusspassionisten Michael Vesely und Adelheid Reisinger, auch zu Niederösterreichs erstem Slow Food Village geworden: eine Auszeichnung der internationalen Organisation Slow Food für Orte, die sich um eine verantwortungsvolle Ernährungs- und Esskultur kümmern und regionalen Genuss sichtbar und erlebbar machen – wie hier am Genussmarkt. Wir empfehlen: sich Zeit nehmen und tun, was Michael und Adelheid und die Retzerinnen und Retzer tun: zusammenkommen, plaudern, die besten Lebensmittel aus dem Weinviertel genießen – und das gute Leben.

Was Sie am Genussmarkt im Retzer Land unbedingt probieren sollten:

  • das Leberkäs-Semmerl am Stand der Landfleischerei Sturm im Handsemmerl vom Waldviertler Bio-Bäcker Fritz Potocnik – DIE Marktjause!
  • den Marktkaffee am Stand von Bernhard Salat aus dem Waldviertel
  • die Weinviertler Kimchi-Pancakes am Stand von „Gutes vom Gutshof“

Gut essen & trinken im Retzer Land