Stadtführerin oder Rad- und Wanderguide: Seit mehr als 25 Jahren führt die in Stein an der Donau geborene Reiseleiterin Christine Emberger Reisende durch ihre geliebte Wachau.
Auf einer Wanderung entlang des Welterbesteigs Wachau nimmt sie uns mit auf eine Zeitreise – von der Altsteinzeit über Mittelalter und Barock bis zur Neuzeit.
Die Ruine von Burg Hinterhaus ist meine Lieblingsruine, ein Juwel in der Wachau, man kann sagen: die kleine Schwester der bekannten Burgruine Aggstein. Die Wehrmauern, der Bergfried und ein riesiger Brunnen sind noch gut erhalten und zeugen von den handwerklichen Leistungen des Mittelalters.
In echt ist sie nur elf Zentimeter groß – der Kopf ornamenthaft gearbeitet, der Rest des Körpers, vor allem die Geschlechtsmerkmale, sind dafür ziemlich explizit. Während man das Original, entstanden vor 25.000 bis 30.000 Jahren, im Naturhistorischen Museum in Wien bewundern kann, steht in Willendorf beim „Venusium“, nur wenige Schritte vom Fundort entfert, eine übergroße Reproduktion dieses Sensationsfundes.
Dieses kleine feine Museum beheimatet noch weitere Fundstücke der Ausgrabungsarbeiten sowie Informationen zu den ersten Frauenfigurinen der Menschheitsgeschichte.
Eine der weltweit schönsten Figuren aus der Altsteinzeit.
Alt, wenn nicht ganz so alt wie die Venus, sind auch die zahlreichen mittelalterlichen Burgruinen entlang des Welterbesteiges. Sie gehen auf das zwölfte Jahrhundert zurück. Die Kuenringer, eine der wichtigsten und namhaftesten Ministerialen der Babenberger, verwalteten diese Burgen. Mit dem florierenden Handel an der Donau kamen Ansehen und Macht. Wie wir wissen, ein altbekannter Grund für Streitigkeiten.
Meistens auf markanten Felsen gebaut, hoch über der Donau.
Auch um die Burgruine Aggstein wurde viel gestritten. Um sie rankt sich die Sage vom Rosengärtlein. Angeblich hat Raubritter Jörg Scheck von Wald seine Gefangenen auf einen balkonartigen Felsvorsprung gesperrt, wo sie entweder verhungerten oder in den Tod sprangen. Weil sie den Burgherren an Rosen erinnerten, bekam dieser Vorsprung den makaberen Namen „Rosengärtlein“. Der Ausblick von der heutigen Burgruine ist auch heute noch eine Sensation – und weitaus weniger gefährlich als damals im 15. Jahrhundert.
Apropos Gefangene: Der englische König Richard Löwenherz wurde von Leopold V. auf Burg heute Ruine Dürnstein eingesperrt. Die Geschichte von seinem Schicksal kennt man, was vielleicht weniger bekannt ist: Die Innenstadt von Dürnstein hatte im Mittelalter sogar mehr Einwohner als heute – sofern man die Touristen wegzählt.
Eines der prunkvollsten Gebäude in der Wachau ist das Stift Melk. Ein perfekter Bau! Zum Beispiel der Ballsaal: Die Musik kam von oben, im unteren Trakt war die Küche angesiedelt, wo gekocht wurde und man mit der entstandenen Wärme auch gleich die obere Etage mitheizte. Das war alles schon sehr durchdacht, wie uns Christine Emberger erzählt. Must-see: Die Deckenfresken von Johann Michael Rottmayr in der Melker Stiftskirche und natürlich die Bibliothek.
Ein wunderbares Beispiel für das Hoch- bzw. Spätbarock. Von Hieronymus Übelbacher, dem Probst des Augustiner-Chorherrenstiftes, selbst geplant, mit namhaften Künstlern und Fachleuten umgesetzt. Die Figuren und Statuen erzählen biblische Geschichten – sowohl in der Stiftskirche als auch am berühmten blauen Kirchturm. Der Propst hat dort versucht, dem einfachen Menschen das Wort Gottes zu veranschaulichen.
Stift Dürnstein ist wie ein Bilderbuch, man muss es nur lesen können.
Wie das Stift Melk ist es ein Benediktinerkloster und UNESCO-Welterbe. Nach einem Brand im Jahr 1718 wurde das Stift Göttweig barockisiert. Nicht alle geplanten Gebäudeteile wurden umgesetzt – gerade das hat seinen Reiz, findet Christine Emberger. Durch das Fehlen großer Trakte wirkt es luftiger, ruhiger und klösterlicher. Der barocke Kaisertrakt mit der monumentalen Kaiserstiege und dem Deckenfresko von Paul Troger beeindrucken Besucher:innen aus aller Welt.
Ein Gebäude aus dem Hier und Jetzt. Es ist Teil der Kunstmeile Krems und sticht als markantes Bauwerk hervor. Ins Auge sticht die dynamische Form des Gebäudes, ein sich in die Höhe schraubender Monolith, ein gedrehter Pyramidenstumpf, der sich vom historischen Stadtkern zur Donau streckt. Die große Terrasse bietet einen herrlichen Blick zur Donau, zum gegenüberliegenden Stift Göttweig sowie zur Altstadt von Stein. Das Museum ist das neue Zuhause für die wertvollen Kunstschätze des Landes Niederösterreich. Die Landessammlungen Niederösterreich umfassen rund 100.000 Objekte, darunter Meisterwerke vergangener Jahrhunderte und herausragende Werke der Gegenwart.
Für Christine Emberger ergibt sich entlang des Welterbesteiges ein schöner Mix an Bauwerken aus den verschiedensten Epochen: die Moderne, das Mittelalter, die Barockzeit. Dazu kommen liebliche Dörfer, herrliche Natur, Weinberge und unzählige Rad- und Wandermöglichkeiten. Was will man mehr?
Hier geboren, gehört für Christine Emberger die Wachau zu den schönsten Plätzen der Welt. Und sie muss es schließlich wissen. Sie hat nicht nur jahrelang in England gelebt, sondern auch weltweit in über 80 Ländern Gruppen auf Reisen begleitet und macht das auch heute noch leidenschaftlich. Außerdem leitet sie Museumsführungen und Busreisen. Ihre Wachau-Führungen zu Fuß oder per Rad sind äußerst beliebt.