• Gärtner mit Baseballkappe und dunkler Jacke schneidet mit einer Heckenschere eine Hecke
    ©© Niederösterreich Werbung/Daniel Gollner

Mit Alexander Malik im Garten von Grafenegg

Der Gärtner von Grafenegg

Frühmorgens gehört der Schlosspark Grafenegg allein seinen wilden Bewohnern: Rehe grasen friedlich entlang der Waldgrenze, ein Vogel nach dem anderen stimmt in den Weckgesang ein, das Summen zahlreicher Insekten mischt sich als Grundtonus darunter. Alexander Malik, der die 32 Hektar Schlossgarten in Grafenegg so gut wie sonst keiner kennt, startet seinen Arbeitstag üblicherweise in den Morgenstunden. „Gärtner sind Frühaufsteher, Chef-Gärtner sowieso.“ 

Ein Schlossgarten als Diplomarbeit

Malik ist dem Schlosspark Grafenegg schon seit der Kindheit und Studienjahren eng verbunden: „Mein Vater war Landschaftsarchitekt und führte hier vor rund 30 Jahren für die Familie Metternich-Sándor die ersten Revitalisierungsprogramme im Park durch. Ich war eigentlich immer schon ein Naturkind und auch damals oft mit, hab dann später daran angelehnt Landschaftsplanung und -pflege an der BOKU Wien studiert. Und schließlich sogar meine Diplomarbeit über den Schlossgarten verfasst.“ Wohl niemand kennt deshalb auch die 650 Baum- und Straucharten auf der insgesamt 32 Hektar großen Fläche so gut wie er.

Mein Vater war hier früher Landschaftsarchitekt und führte Revitalisierungsarbeiten im Garten durch. Ich führe seine Arbeit jetzt – halt auf meine Art und Weise – fort.

Alexander Malik über seine Berufung

Vom barocken Garten zum Arboretum

Um zu den Anfängen des Parks zurückzukehren, muss man das Rad der Zeit bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückdrehen. Der erste Garten war ein barocker Sterngarten, der zusammen mit einer prächtigen Allee aus Linden, weiten Feldern und Weinbergen entstand.
Der wegweisende Einschnitt, der das Aussehen des Parks radikal veränderte, war der Umbau des Schlosses um das Jahr 1850. „Damals wich der Renaissancestil dem der Tudor-Gotik. Gleichzeitig wurde der Garten in einen dem englischen nachempfundenen Landschaftsgarten umgestaltet. Das Hauptaugenmerk lag auf der Pflanzung von exotischen Bäumen und Sträuchern.“

 

Ich treffe den ganzen Tag Leute, die den Park für Spaziergänge oder zum Joggen nutzen. Der Menschenschlag hier ist ein entspannter, man begegnen sich recht offen.

Alexander mag die entspannten Anrainer:innen am Wagram
Gärtner mit Baseballkappe und dunkler Jacke schneidet mit einer Heckenschere eine Hecke
©© Niederösterreich Werbung/Daniel Gollner
Die sanften Wiesen laden zu einem entspannten Tag im Freien ein, während die majestätische Architektur im Hintergrund eine faszinierende Kulisse bietet. Hier in Grafenegg, umgeben von üppigem Grün und schattenspendenden Bäumen, können Besucher die Ruhe und Schönheit der Natur genießen.
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Alte Bäume und junge Kunst

Nach den beiden Weltkriegen schließlich verwilderte der Park zunehmend. Erst die Revitalisierungsarbeiten unter Alexander Maliks Vater ließen die verborgenen Schätze wieder auftauchen. Schwarzkiefern, Winter-Linden, Rotbuchen, Ginko und Riesenmammutbaum wachsen hier neben Scheinzypressen und Weihrauchzeder, Ahornblättrigen Platanen oder dem Riesenlebensbaum.
Dazwischen eine erhöhte Telefonzelle auf einer Lichtung, Kleiderständer, die zwischen Bäumen aus dem Boden wachsen und ein Memento Mori mit Reh in einer Buchsbaumhecke. Inmitten des grünen Meeres sind zeitgenössische Kunstobjekte platziert, die eine überraschende Spannung erzeugen. 

Man bewegt sich als Gärtner immer in der freien Natur und nimmt die Jahreszeiten sehr intensiv wahr.

so Alexander über sein Berufsbild

Der klingende Schlosspark

Dass dieser Ort bestens mit der Hochkultur harmoniert, stellen Tausende Musikbegeisterte alljährlich beim Grafenegg Festival im August unter Beweis. Die berühmtesten Orchester und Musikerinnen und Dirigenten aus aller Welt stehen dann auf der gewaltigen Open-Air Bühne Wolkenturm. Seit 2007 werden Composer in Residence geladen, um inspiriert vom Geist des besonderen Ortes Werke zu verfassen. 

Mann steht in lockerem Outfit mit Händen in den Hosentaschen in einer Wiese vor einem großen Baum
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Ein Refugium für Alle

Doch nicht nur Liebhaber der Klassik finden sich rund um das Schloss ein. Der Schlosspark selbst ist ganzjährig – 24 Stunden am Tag – für alle Natur- und Ruhesuchenden geöffnet. Malik trifft, während er seiner Arbeit nachgeht, viele bekannte Gesichter. "Viele Einheimische nutzen den Park für erholsame Spaziergänge. Man kennt sich, grüßt sich, gibt auf Nachfrage gerne den einen oder anderen Gartentipp preis. Die Menschen hier haben ein herzliches, offenes Gemüt.“ 
Viele von ihnen finden auch Worte des Lobs für ihn und seine drei Mitarbeiter. Sie schätzen die harte Arbeit, die das Team tagtäglich bei jeder Wetterlage verrichtet. „Ja, bei Sturm und Regen beneidet uns keiner um unsere Arbeit.“ Und zu tun gibt es immer was: Bäume sterben ab, da sie den Witterungsbedingungen nicht mehr gewachsen sind. „Wir arbeiten gerade an einem neuen Bewässerungssystem. Parallel dazu pflanzen wir auch klimafitte Bäume und Sträucher.“ Wie der Park wohl in einigen Jahrzehnten aussehen wird?

Der Park ist wie eine Sinfonie: Auch hier steht jede Pflanze am richtigen Platz und harmoniert mit allem anderen rundherum. 

Alexander betont die Harmonie der Parkanlage

Kultur und Natur in perfekter Harmonie

Fit ist man auf alle Fälle als Gärtner. Trotz viel Bürotätigkeit, die auch erledigt werden will, ist Alexander meistens an der frischen Luft. Vom Heckenschneiden über Totholzpflege, von Neupflanzungen bis hin zum gewöhnlichen Rasenmähen reichen seine To-do´s. „Das Besondere an diesem Ort ist diese Kompaktheit. Man bewegt sich als Gärtner immer in der freien Natur und nimmt die Jahreszeiten sehr intensiv wahr.
 Mit etwas Glück seh ich ein Reh oder ein Eichkätzchen. Man hat Jahrhunderte alte Baumriesen, wandert ein paar Meter weiter über offene Wildwiesenflächen. Wenn man das vergleichen will, könnte man sagen, der Park ist wie eine Sinfonie, in der jede Pflanze an ihrem richtigen Platz steht, und wo jeder für sich seinen persönlichen Kraftort findet. Ich glaube, diese komponierte Vielfalt, die aber nicht gewollt wirkt, macht den Reiz für mich aus“ sinniert Alexander, der in seiner Freizeit übrigens in einer Metal-Combo Bass spielt; als Ausgleich zu so viel Harmonie sozusagen.

Die sanften Wiesen laden zu einem entspannten Tag im Freien ein, während die majestätische Architektur der Open-Air Bühne "Wolkenturm" eine faszinierende Kulisse bietet. Hier, umgeben von üppigem Grün und schattenspendenden Bäumen, können Besucher die Ruhe und Schönheit der Natur genießen.
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Gesamtkunstwerk Grafenegg

Das Areal von Schloss Grafenegg ist ganzjährig 24 Stunden für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Es beherbergt neben dem prägnanten Schloss Grafenegg besonders viele alte exotische Baumriesen. Seit 2007 findet hier das renommierte Grafenegg Festival unter der Leitung von Rudolf Buchbinder statt. Nächtigen kann man direkt am Gelände in den zeitgemäßen Grafenegg Cottages. Wer es liebt, rundherum verwöhnt zu werden, dem sein ein Besuch von Toni Mörwalds Relais & Châteaux „Hotel am Wagram“ samt sternegekrönter Küche ans Herz gelegt. 

3. August 2021