Kloster Pernegg ist ein Ort der Stille, der Einkehr und des Innehaltens. 10 Kilometer nördlich von Horn gelegen, suchten hier im Kloster früher schon die Menschen Trost und Antworten. Auch Gini Czernin kam vor rund 15 Jahren hierher. Einerseits, um in einer schwierigen Lebenssituation wieder Kraft zu danken. Außerdem wollte Sie hier ihre Diplomarbeit zum Thema „Resilienz bei Kindern und Jugendlichen“ zu schreiben. Und was mit einer Woche Fasten begann, wurde zu einem neuen Lebensentwurf.
Für Gini Czernin ist heute ein Problem, das auftaucht, immer auch eine Chance. Und zwar die, etwas anders zu machen, oder etwas Neues zu beginnen. Diese gelassene Lebenshaltung hatte die Mutter zweier bereits erwachsener Töchter nicht immer. Aber die Erfahrung der Jahre hat sie gelehrt, dass das Annehmen von Problemen und die Suche nach einer Lösung einen als Mensch wachsen lassen. Und so folgte begleitend zur Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin auch die zur Fastenbegleiterin. Seit ihrem erfolgreichen Kursabschluss bietet sie nun beides in Pernegg an.
Meine größte Lebenskrise hat letzten Endes dazu geführt, dass ich nach dem Fastenkurs beschlossen habe, meine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin um die Fastenthematik zu erweitern, beide zu kombinieren.
„Man sollte in Ruhe hier in Pernegg ankommen, und sich schon ein paar Tage vor der Anreise darauf einstimmen, bewusster zu essen und Kaffee und Alkohol weg zu lassen. Man hat die Möglichkeit, zwischen dem Autophagie-Fasten und dem etwas strengeren Buchinger-Fasten zu wählen. Beim Autophagie-Fasten beschränkt man sich auf basische Kost und eine tägliche Nahrungspause von 16 Stunden, beim Buchinger-Fasten gibt es hingegen ausschließlich flüssige Mahlzeiten: Tee, Saft und Suppe. Außerdem unterstützt man die strengen Fastentage mit einer Darmreinigung.“ Abgesehen vom Essen und der Darmreinigung gibt es in Ginis Kursen auch viel Raum für Selbstreflexion. Etwa bei Achtsamkeits-Übungen oder Gesprächen in den angenehm renovierten Räumlichkeiten des Klosters. Wanderungen und Spaziergängen sorgen für Frischluft und neu gewonnene Kraft. „Fasten gilt als älteste Naturheilmethode, um Körper, Geist und Seele von altem Ballast zu befreien und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, am Ende der Fastentage stellt sich sogar ein richtiges ‚Fasten-High‘ ein.“
Am Ende der Fastentage stellt sich sogar ein richtiges ‚Fasten-High‘ ein.
Fasten boomt, darin fühlt sich Gini bestätigt. Top-Managerinnen, Anwälte und Bankerinnen, aber auch Lehrer, Hausmänner oder Einzelhandelskauffrauen jeden Alters finden den Weg in ihre Kurse. „Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Das zieht sich durch, auch wenn nicht jeder denselben Kontostand hat, trotzdem durch alle Bevölkerungsschichten. Die Menschen haben dadurch immer mehr das Bedürfnis, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Dem Körper eine Auszeit gönnen, sich die Möglichkeit zur Selbstreflexion zu geben und zur Ruhe zu kommen. Dazu gehört auch die Tradition der Stille.“ Was bedeutet, dass während den Mahlzeiten nicht gesprochen wird. „Anfangs führt das meist noch zu einer gewissen Unruhe, doch die Leute beginnen bald, dies sehr zu genießen.“
Wir bekommen alles, und das zu jeder Zeit. Diese ständige Verfügbarkeit erzeugt ein Gefühl des Überflusses, und somit auch der Überforderung. Was mir auffällt: Die Menschen wollen sich wieder auf das Wesentliche besinnen.
Ginis psychologische Schwerpunkte vereinen sich in einem Wort: Resilienz. Resilienz bezeichnet die eigene Widerstandskraft, die der Mensch aktiviert, wenn es gilt, schwierige Situationen zu meistern und Probleme zu lösen. „Hier zeigt sich dann, ob ich an einer schwierigen Lebenssituation zerbreche oder ob ich die Herausforderung annehmen kann und letzten Endes wie ein ‚Phönix aus der Asche‘ daran wachsen kann“, erklärt Gini. Und Fasten und Resilienz sind für sie die perfekte Kombination: Beides hat damit zu tun, sich auf das Grundlegende zu konzentrieren, auf das wirklich Wichtige im Leben. Darauf, Ballast abzuwerfen, sich von alten Verhaltensmustern zu lösen, leichter zu werden.
Fasten ist für Gini auch untrennbar mit Bewegung an der frischen Luft verbunden. Dafür eignet sich die hügelige Landschaft des Waldviertels hervorragend. „Es ist nicht zu flach, aber auch nicht zu alpin. Die Lage von Pernegg ermöglicht es, dass wir uns ganzjährig draußen aufhalten können. Die Landschaft präsentiert sich jedes Mal neu, einmal nebelig-mystisch, dann wieder golden-herbstlich und im Frühjahr erblüht alles auf einmal - es ist der perfekte Ort für Fastenseminare.“
Ich geh bei jedem Wind und Wetter raus!
Eine besondere Stätte ist auch der alte Klostergarten, in dem die Kräuter für die hauseigene Klosterküche gezogen werden. Wer hier spazieren geht, dem wird unweigerlich auch der Wiener Neurologe und Psychiater Viktor Frankl “begegnen”: Nach seinem Menschenbild wurden mehrere Installationen am Gelände errichtet, die zum Nachdenken und zur Selbstreflexion anregen sollen. Ein Satz lautet etwa: „Je mehr der Mensch aufgeht in einer Aufgabe, je mehr er hingegeben ist an seinen Partner, umso mehr ist er Mensch, umso mehr wird er er selbst.“ Für Gini, die in ihren Kursen schon vielen Menschen das Handwerkszeug gereicht hat, um sich selbst zu helfen, eine zentrale Erkenntnis: „Jeder Mensch braucht eine sinnstiftende Tätigkeit, mit der er etwas bewirken kann.“ Gini Czernin hat auf alle Fälle als Seminarleiterin ihre glückvolle Wirkungsstätte und Betätigung gefunden.
Das Waldviertler Fastenzentrum Pernegg verfügt über rund 50 Zimmern, die großzügig bemessen sind und alle einen Blick auf den Garten oder den Wald haben. Außerdem gibt es Ruheräume, einen Saunabereich und einen Gymnastikraum mit Cardio-Geräten.
Gini Czernin ist als psychologische Beraterin tätig, bietet aber auch Supervision und Re-Start Programme an. Ihre Fastenseminare "Wie Phönix aus der Asche" sind eine Kombination aus Fastenwoche, Burnout-Prävention und Stressmanagement.
9. März 2022