Peter Groß, in Puchberg am Fuße des Schneeberges aufgewachsen, war schon immer aus tiefster Seele ein Bergmensch. Seine Eltern betrieben die dortige Skischule, als Kind nutzte er jede freie Minute auf den Pisten und im Firn. „Wir waren den ganzen Tag draußen unterwegs, ob im Winter beim Skifahren oder im Sommer bei den Kletterkursen."
Dass die Berge seine Heimat sind, das war Peter schon immer klar. Nach der Matura und dem Wehrdienst zog es ihn in die weite Welt hinaus: Als Skilehrer jobbte er am Arlberg, als Bergsteiger war er in Russland, Indien, Chile und Nepal unterwegs. Eindrücke, die ihn maßgeblich prägten: „Wenn man sieht, mit wie wenig die Menschen in Indien und Nepal auskommen müssen, lernt man den Wohlstand, den man zu Hause hat, zu schätzen. Die dortige Berglandschaft ist ungemein schön, aber es ist auch ein beschwerlicher Weg bis zu den Basislagern.“ Besteigungen wie die des Ama Dablam, einen 6.814 Meter hohen Berg im Himalaya haben Peter geprägt. Gemeinsam mit seiner Mutter stand er am Gipfel des Elbrus auf 5.642 Metern Seehöhe, was ein sehr ergreifendes Gefühl für ihn war: „Die Sehnsucht nach solchen Abenteuern wird sicher wiederkehren, momentan stimmt für mich jedoch hier am Schneeberg die Mischung.“
Wenn man sieht, mit wie wenig die Menschen in Indien und Nepal auskommen müssen, lernt man den Wohlstand zu Hause zu schätzen.
Die Alpen bieten da andere Möglichkeiten, wie er findet: „Wenn du in Nepal eine Schlechtwetterfront hast, bleibt dir nichts anderes übrig, als abzuwarten. Hier in den Alpen ist das leichter: Regnet es im Norden, fährt man einfach in den Süden. Man erspart sich außerdem Langstreckenflüge, Jetlags und ewige Autofahrten.“ Obwohl es für Peter eine ungemein bereichernde Zeit war, kehrte er schließlich in die Heimat zurück. Der Grund war allerdings ein trauriger: Als er 20 Jahre alt war, verunglückte sein Vater auf einer Skitour durch eine Lawine. Es war Ende März, die Saison am Auslaufen und für Peter stellte sich damals die alles entscheidende Frage: „Soll ich aus dem Bergsteigergeschäft aussteigen?“ Doch er blieb, übernahm die Skischule der Eltern und verknüpfte das Angebot mit seinen Programmen als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. „Die Berge sind der Platz, wo ich am liebsten bin, und ich denke, das war bei meinem Vater genauso. Viele denken, dass man nicht mehr in die Berge gehen sollte, wenn es einen tragischen Unfall gab. Klar habe ich überlegt, ob ich einen anderen Weg einschlagen soll, aber ich bin nun mal gerne am Berg. Das ist mein Leben.“
Die Berge sind der Platz, wo ich am liebsten bin.
Der Schneeberg, mit 2.076 Metern der höchste Berg Niederösterreichs, bietet meist gute Verhältnisse: „Wir können fast das ganze Jahr hier Wandern, Laufen und Radfahren, aber auch zum Klettern ist die Region ideal. Die Kollegen in den westlichen Bundesländern, die in einem Hochtal sind, haben hingegen nur ein paar Monate, wo die Bedingungen top sind. Im Winter kann man bei uns die trockenen, südseitigen Felsen zum Klettern nutzen, im Sommer begibt man sich einfach in etwas höhere Gefilde. Wir haben sehr viele Möglichkeiten auf kleinem Raum, das macht den Reiz für mich aus.“ Dass geführte Touren dabei wieder im Kommen sind, merkt Peter an den vermehrten Anfragen. „Die Berge und das Wandern sind wieder „in". Es gibt die einen, die ihr Ding alleine durchziehen wollen, und die anderen, die auf den Service eines Bergführers nicht verzichten möchten. Der dann die Tourenplanung und Routenwahl bestimmt, einen ans Seil nimmt oder einfach begleitet."
Im Schneebergland gibt es sehr viele Möglichkeiten auf kleinstem Raum, das macht den unglaublichen Reiz der Gegend für mich aus.
Eine besondere Sportart, die Peter ausübt, ist das Trailrunning. Dabei steht im Gegensatz zum Straßenlauf das Naturerlebnis im Vordergrund: Das bewusste Wahrnehmen der Landschaft und der Umgebung macht den Kopf frei. Gleichzeitig bietet das Laufen auf unebenem Untergrund ein effektives Ganzkörpertraining, da neben Ausdauer und Koordination auch das Balancegefühl sowie die Rumpf- und Stabilisationsmuskulatur gefordert werden. Außerdem ist der natürliche Untergrund wesentlich gelenkschonender als harter Asphalt. Das Tempo passt man flexibel an das Gelände an – besonders steile Passagen werden etwa häufig zügig gehend statt laufend bewältigt.
Ultra Trails – besonders lange Trailrunning-Wettkämpfe über Distanzen von mehr als 42 Kilometern in sehr anspruchsvollem Gelände – sind seine besondere Leidenschaft: „Das ist eine reine Kopfgeschichte. Schwierig werden solche Distanzen dann, wenn du bei Kilometer Eins von 100 bereits das Ziel vor Augen hast. Man muss in Etappen denken. Schritt für Schritt.“ So wie wohl überall im Leben.
Peter Groß leitet die staatlich geprüfte Schi- und Bergsteigerschule Schneeberg in Puchberg am Schneeberg. Als staatlich geprüfter Berg- und Schiführer sowie Skilehrer bietet er Ausbildungen, Kurse und geführte Touren im Schneebergland an.
2. September 2020