Weinsinn oder Wahnsinn: Topaktuelle Trends für Weinkenner

Jung, wild und mutig sind sie: unsere Winzer aus Niederösterreich. Während die einen auf Tradition setzen, gibt es da auf der anderen Seite die unerschrockene Zeitgeister die mit ihren durchschlagenden Weininnovationen die Welt revolutionieren wollen.

Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander. Wenn es um orangene Weine abseits jeder Uniformität, absolut naturbelassene Weine oder gar steinerne Weinfässer geht, scheiden sich die Geister. Was die Daniel Düsentriebs unter Niederösterreichs Winzern aus deren saftigen Trauben so alles machen und welche durchschlagenden Ideen hinter den Weinkeller-Mauern entstehen, lesen Sie hier.

Orange Wines – die vierte Weinfarbe

Trends kommen und gehen und kehren wieder. So geschehen mit der neuen Trendfarbe am Winzerhimmel, der Farbe „orange“. Die Rede ist von sogenannten „orange wines“. Es handelt sich hierbei um weiße Trauben, die einer Maischegärung unterzogen werden. Da die Gärung noch mit Beerenschale abläuft – wie es sonst nur bei Rotweinen üblich ist – entsteht die spezifische orangene Farbe. Viele Winzer verzichten bei der Vinifizierung auch ganz auf Schwefelzusatz, so wie die Winzerfreunde Jurtschitsch und Arndorfer aus Langenlois (Kamptal) die auf Orange-Sekt statt Sekt-Orange setzen. Denn wo sich „Fuchs & Hase“ – so nennen die beiden übrigens ihre Marke – Prost sagen, kann es nur prickelnd werden.

Prickelnde Außenseiter – Pet Nat oder wie das heißt

Ursprünglich aus Frankreich stammend ist es die Ur- Methode der Sektherstellung. Nachweislich füllten schon Mönche aus Limoux um 1540 absichtlich unvollständig vergorene Weine im Herbst in Flaschen ab und verschlossen diese mit Eichenkorken. Bis zum Frühjahr gärte der Wein weiter und et voilá der Schaumwein war geboren. „Pet Nat“ – petillant naturelle – sind also prickelnde Weine ohne große technische Eingriffe. Wer „Hoch“ hinaus will, der braucht einen Spitz – einen Kalkspitz. Christoph Hoch, Winzer aus Hollenburg (Kremstal) hat sich der Herausforderung „Pet Nat“ gestellt.

Von den Bienchen, Blümchen und wildwux-Gedanken

Dass die Regenwürmer, Vögel, Bienen und Co im und um das Bioweingut Geyerhof in Furth-Palt (Kremstal) besonders aufgeweckt sind, können aufmerksame Zuhörer am fröhlichen summen und brummen erkennen. Im Hause Geyerhof bestimmt nämlich neben der Weinleidenschaft vor allem die Naturverbundenheit den Alltag. Bereits seit 1988 bewirtschaften sie ihre Weingärten organisch-biologisch und zählen so zu den Biopionieren in dem Bereich. Gemeinsam mit Winzerin Birgit Braunstein aus dem Burgenland haben sie 2012 das „wildwux“ Projekt gegründet. Und nein es geht hier – anders als der Name vermuten lässt – nicht um verwilderte Weingärten. Vielmehr sind es gezielte Maßnahmen zur Lebensraumerhaltung für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Ziesel, Laubfrosch und Gottesanbeterin freut‘s!

Das Natürlichste der Welt

Vor mehr als 5 Millionen Jahren ist es unter der Erde durch Erstarrung von Magma entstanden und durch Bewegung der Erdkruste an die Oberfläche gelangt. Die Rede ist von Granit. Rohstoff für die neue Generation von Weinfässern: dem Steinfass! Ausgestattet mit speziellen Eigenschaften – so speichert Granit die Temperatur langfristig oder verhindert die Bildung von unschönem Weinstein – unterscheidet es sich in vielerlei Hinsicht vom herkömmlichen Holzfass.

Aus einem Guss – besser gesagt einem Block - mit viel Geschick und „steinerner Handarbeit“ geformt, wiegt ein 50 Liter Fass um die 320 Kilo. Im Einsatz ist das Steinfass übrigens unter anderem beim Weingut Waldschütz (Kamptal) und dem Weingut Obenaus aus Glaubendorf (Weinviertel).

Am Flaschenboden liegt die Wahrheit

Ob sie wirklich richtig stehen, sehen Sie wenn Sie die Flasche umdrehen. „Es ist absolut raffiniert und doch ganz einfach“, lachte Franz Türk (Weingut Türk, Kremstal) als er seine absolute Weltneuheit vorstellte. Seine Bodenetiketten mit durchdachtem Farbcode. Beim Riesling strahlt einem eine Marillen-färbige Sonne entgegen, beim Grünen Veltliner Urgestein eine Sonne in steingrau. Gekommen ist Franz die Idee übrigens bei einem Winzerkollegen in der Wachau, als er vor einem Weinklimaschrank stand und keine Ahnung hatte welche Weine hier eigentlich liegen. Er hat ja nur den Flaschenboden gesehen. Das war die Initialzündung.

Große Weine: Im Keller gibt es etwas Neues

Exklusiv, unkonventionell und vor allem individuell sind die Weine des größten Weinbaulandes Österreichs. Mindestens genauso kultig sind aber auch die Winzer die dahinter stehen. Und sei es der Trend zum „Nackten“ (scherzhaft für natürliche Weine) oder eine Nische in der Nische, ohne unsere Winzer würde das Land für Genießer nur halb so gut schmecken!

Was Sie noch interessieren könnte...