Bio-Pionierin aus dem Kremstal

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Ilse Maier ist die Vorreiterin in Sachen Bio-Weinbau. Tief verwurzelt mit der Landschaft und der langen Geschichte des Geyerhofs hat sich die Familie Maier dem Prinzip der Achtsamkeit verschrieben.

Im Interview erzählt Ilse Maier von ihrer Begeisterung für die Abläufe in der Natur und wie sie jedes Jahr aufs Neue die Leidenschaft für das Handwerk Weinbau packt.

Was ist Ihre Haltung beim Winzern?

Der Weinbau unterscheidet sich in vielen Dingen von den übrigen Sparten der landwirtschaftlichen Produktion. Wein ist ein Genussmittel, soll Freude schenken und dem Genießer, der Genießerin ein positives Grundgefühl übermitteln. Deshalb steht das Endprodukt Wein absolut im Vordergrund. Das ständige Überlegen, wie Qualität, Bekömmlichkeit, Charakter und Persönlichkeit verbessert werden können, bestimmen einen Großteil der Entscheidungen wie im Weingarten und Keller gearbeitet wird. Die Arbeit nach Richtlinien der biologischen Landwirtschaft resultiert unter anderem aus diesen Überlegungen.

Was macht ein Weingut zum Bioweingut?

Grundsätzlich sind nur zertifizierte, kontrollierte Weingüter Bioweingüter, da es im Falle widriger Witterungsverhältnisse keine Alternative zu den für Bioweinbau zugelassenen Behandlungsmethoden gibt. Innerhalb der Biowinzer gibt es aber viele unterschiedliche Herangehensweisen und Philosophien.

Wie entsteht Innovation am Geyerhof?

Erfahrungsaustausch mit Kollegen im In-und Ausland, intensive Gespräche mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen, interne Gespräche und Überlegungen, zuhören, spüren und dem eigenen Bauchgefühl vertrauen.

Welche Ideen hat die junge Winzergeneration Maria und Josef schon eingebracht?

Sehr, sehr viele: Die erste Neuerung war bei der Ernte 2013 einen Pet Nat herzustellen. In der Zwischenzeit hat sich der PetNat in unserem Betrieb als wichtiges und wunderbares Projekt etabliert. Die Idee zu unserem Grünen Veltiner Stockwerk samt wirklich sehr innovativem Etikett kam von Maria und Josef. Der gesamte Außenauftritt wurde überdacht, erneuert und den heutigen Erfordernissen angepasst (Etiketten, Homepage, Prospekte, Preislisten….). Gault Millau Landpartie mit Schwerpunkt Pet Nat war die Idee von den beiden. Neue, effiziente Methoden in der Bearbeitung der Weingärten, zahlreiche Versuche im Keller …

Wie erfolgsentscheidend sind Kooperationen (Winzerin Birgit Braunstein und „wildwux“, …)?

Kooperationen sind immens wichtig. Wir sind Mitglied bei den österreichischen Traditionsweingütern, bei 11 Frauen&ihre Weine, bei der internationalen Vereinigung Rennaissance du Terrior. Wir waren Gründungsmitglied der Gruppe Bioveritas und des Clubs internationaler BioWeingüter, diese beiden Vereinigungen haben ihren Zweck erfüllt und wurden aufgelöst.

Wie ist die Idee zum „wildwux“ Projekt entstanden? Was ist das Besondere daran?

Die Idee für das Projekt wildwux kam durch unsere Schwiegertochter Maria. Maria hat Landschaftsplanung studiert und war bereits sehr aktiv im Natur und Umweltschutz tätig. Durch ihre Expertise wurde uns klar, welch besonderen Schatz wir in unserer Kulturlandschaft vorfinden. Wir haben uns entschlossen, diese Landschaft zu bewahren, Maßnahmen zu setzen um die Diversität zu steigern und durch Wiederaufleben alter Bewirtschaftungsformen die Tier-und Pflanzenwelt zu in ihrer Vielfalt zu fördern. Um das Projekt über unseren Betrieb hinaus zu fördern, hatten wir das Glück, dass unsere Kollegin und Freundin Birgit Braunstein ähnliche Ziele bezüglich Naturschutz verfolgt und mit großer Begeisterung und Empathie sich dem wildwux-Projekt anschloss.

Das Besondere am Projekt wildwux ist, dass wir durch die Beschäftigung mit den Zusammenhängen in der Natur ständig Neues entdecken und bewusst die positiven Veränderungen in unserer Umgebung wahrnehmen.

Was schätzen Weinkenner an Ihren Weinen?

Eigentlich müsste man die Weinkenner fragen, aber ich denke, dass unsere Weine einen sehr eigenständigen Charakter haben, den Boden und den Jahrgang widerspiegeln, gut schmecken und sehr bekömmlich sind.

Und welche Tier- und Pflanzenarten freuen sich über Ihre Arbeit? (Stichwort: Lebensraumerhaltung)

Unsere Maßnahmen sollen für Tier- und Pflanzenarten Rückzugsräume schaffen, die auf Grund intensiver landwirtschaftlicher Landnutzung nicht mehr vorhanden sind: z.B. Tümpel für Laubfrösche und andere seltene Krötenarten (Wechselkröte, Knoblauchkröte), die wir auch schon nachgewiesen haben. Bodenbrüter wie Fasane und Rebhühner finden Unterschlupf in den Hecken. Nistkästen für Wiedehopf, Steinkauz und Schleiereulen haben wir auch schon gesichtet. Es findet sich eine Nahrungsgrundlage für viele Insekten (Hirschkäfer) und Vogelarten durch die Weidehaltung von Rindern (Nachtigall, Grünspecht, …). Hochstammobstbäume finden sich in der Landschaft mit alten heimischen Obstsorten. Bienen tummeln sich im Garten, Echsen und Schlangen schätzen die Steinhaufen und alten Trockensteinmauern.

Welchen eigenen Wein empfehlen Sie Ihrem besten Freund/Freundin, warum und wie schmeckt der?

Das ist eine schwierige Frage, beim Wein kommt es auf die Tageszeit, den Anlass, das Essen und die Gemütsverfassung an. Wenn gute Freunde kommen, wird aber sehr oft ein Pet Nat geöffnet.

Was zeichnet Ihre Lagen aus?

Wir haben das Glück, durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Bodenformationen Lagen mit unterschiedlichen Böden bewirtschaften zu dürfen. Granulit – Böhmische Masse von Westen her, mächtige Lössterrassen im Osten, sandig lehmige Standorte, Hollenburger Konglomerat. Die Weine werden lagenrein ausgebaut und haben einen sehr eigenständigen Charakter. Wir dürfen auf vier verschiedenen Standorten die Bezeichnung „Erst Lage 1ÖTW“ führen, Steinleithn und Kirchensteig stehen auf Granulit, Gaisberg auf Löss und Goldberg auf Hollenburger Konglomerat.

Was Sie sonst schon immer sagen wollten:

Wir lieben unseren Beruf, sind glücklich in einer so bevorzugten Landschaft wohnen und arbeiten zu dürfen. Wir tragen Verantwortung für den Platz auf dem wir stehen und wollen so gut es geht auch für die Zukunft eine gute Bewirtschaftung sichern. Unser Credo ist nicht Wachstum sondern Achtsamkeit.

 

Geyerhof

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