Der Traubenmentor aus der Thermenregion

Christian Fischer zählt zu den erfolgreichen Rotweinproduzenten der Thermenregion und pflegt die Beziehung zu seinen Trauben.

Das Weingut Fischer, eines der so genannten Urhäuser von Sooß, befindet sich seit 1662 im Familienbesitz. Christian Fischer übernahm 1982 den Betrieb und bereits kurze Zeit später erregte er mit seinem ersten Barrique-Rotwein (Pinot Noir 1985) in der Fachwelt Aufsehen. Seine Tochter Franziska wird Schritt für Schritt in die Geheimnisse des Weins eingeführt. Im Interview verrät Christian Fischer, wie er auf Verjus gekommen ist und warum er sich auch als Mentor jeder einzelnen Weintraube sieht.

Wie sind Sie Winzer geworden?

Ich bin in eine Winzerfamilie hineingeboren und bin nach Absolvierung diverser Weinbauschulen (Krems, Klosterneuburg) in den elterlichen Familienbetrieb eingestiegen. Ich habe also das Handwerk von der Pike auf gelernt.

Was ist Ihre Haltung beim Winzern?

Wein ist ein Luxusprodukt. Wir müssen nicht die Welt vorm Verdursten retten. Das bedeutet für mich, ich muss nicht den letzten Liter Ertrag mit allen Mitteln aus dem Boden herauspressen. Ich kann bodenschonend und umweltschonend arbeiten um mich ganz auf die Qualität des Produktes konzentrieren. Daher auch mit Hingabe BIO.

Das Weingut der Familie besteht seit 1662. Ihre Tochter Franziska Fischer-Urban begründet bereits die 14. Generation. Wo sind die 350 Jahre Tradition besonders spürbar?

Dass wir als eines der Urhäuser von Sooß auch noch ein Stück Wald besitzen.

Wie teilen Sie sich die Verantwortung im Weingut mit Ihrer Tochter Franziska?

Mein Part ist die Produktion und das Weinmachen. Franziska macht Marketing und Organisation. Wobei ich sie natürlich step by step in die Geheimnisse des Weinmachens einführe. For the future …

Welchen eigenen Wein empfehlen Sie Ihrem besten Freund/Freundin? Warum und wie schmeckt dieser?

Pinot Noir, der König der Rotweine. Fruchtig, elegant, mineralisch, delikat. Reift großartig und ist ein genialer Essensbegleiter.

Wie sind Sie auf „Verjus“ gekommen?

Verjus habe ich vor einigen Jahren als Produkt der grünen Ernte eingeführt. Danach habe ich mir, nachdem ich meine Damen immer dabei ertappt habe, dass sie den Verjus als Erfrischungsgetränk einsetzen haben, als trinkfertige Variante unseren „Verjus Frizz“ einfallen lassen, der ein echter Renner ist.

Auf Ihrer Website steht, Sie sehen sich als „Mentor jeder einzelnen Traube“ – Wie würden Sie Ihre Handschrift beim Wein beschreiben?

Je länger ich Wein mache, desto deutlicher die Handschrift. Meine Weine sind immer elegant und mineralisch, nie fett und weich und plump. Ich versuche womöglich ganz ohne Eingriffe der chemischen Art auszukommen. Pressen, mazerieren, vergären, Selbstklärung, eine sanfte Filtration, abfüllen. Fertig. So habe ich es am liebsten.

Was zeichnet Ihre Lagen aus?

Wir, hier in der Thermenregion, entlang den südöstlichen Ausläufern des Wienerwaldes, sind klimatisch sehr begünstigt. Warm, eher trocken, kaum Unwetter. Als klassische Uferlage eines prähistorischen Urmeeres zeichnen sich unsere Böden durch hohen Kalkgehalt aus. Dies gibt den Weinen ihre Eleganz.

www.weingut-fischer.at

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