Wexlhaftes Flow-Erlebnis

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Ein Bericht übers Mountainbiken am Hochwechsel

Das Trailcenter am Wechsel ist ein kleines Paradies voll großer Überraschungen: Egal ob Mountainbike-Beginner, Downhill-Profi oder Tourenliebhaber – auf den Wexl Trails kommt jeder ins Rollen!

Ein Bericht von Robert Maruna

„Am besten hoch ansetzen“, sagt Philipp und setzt den Helm auf, „dann langsam Druck aufbauen und viel Schwung mitnehmen.“ Ich nicke ihm zu, er lässt die Sattelhöhe nach unten gleiten, tritt einmal kräftig in die Pedale und rollt los. „Häng dich einfach an mein Hinterrad“, ruft er mir noch zu, „und immer das Kurvenende im Auge behalten!“. Gesagt, getan, denk ich mir, und rolle voller Zuversicht hinterher. Keine drei Kurven später verliere ich vor lauter Anlegern den Überblick, wo die eine Kurve endet und die nächste beginnt. Das Resultat: Mein Vorderrad schießt über eine Anhöhe aus gepresster Erdmasse hinaus, während das Hinterrad ins Rutschen gerät und ich in leichtem Bogen aus dem Sattel fliege. Zum Glück ist der Waldboden weich und mein Sturz hat keine Spuren hinterlassen, außer einem verbogenen Bremshebel. Aber das gehört dazu, wenn man wie ich mit dem Mountainbike Neuland betritt. „Denn wo gehobelt wird, da fallen auch Späne“, pflegt Philipp zu sagen. Und der gelernte Interior-Designer muss es schließlich wissen, auch wenn in seiner Werkstatt keine Hobelbänke oder Schleifmaschinen stehen. Eine erlesene Zahl an Spaten, Rechen und Bagger-Schaufeln sind seine Werkzeuge, um Kunst zu erschaffen. Sein bisher größtes Werk: Die Wexl Trails von St. Corona am Wechsel.

Früher hat Philipp den Bikepark am Semmering betreut. Das war in einer Zeit, als im Osten Österreichs noch wenig Rede von offiziellen Trails war. „Das hat sich in den letzten 15 Jahren zum Glück verändert“, sagt der 39-jährige Niederösterreicher. Seit 2016 ist er verantwortlich für die Gestaltung und Entwicklung der Wexl Trails. „Traildesigner“ ist sein offizieller Titel. Da Philipp ein bodenständiger Typ ist, reicht die Bezeichnung „Trailbauer“ völlig aus. Denn für den passionierten Mountainbiker geht es im Radsport nicht um „Auszeichnungen und Trophäen“, auch der aktuelle Trend zu „höher, weiter und schneller“ tangiert ihn wenig. Er will in erster Linie das Erlebnis „Mountainbiken“ sicherer, aber vor allem für alle Menschen erlebbar machen. Und die grünen Grasberge rund um den 1.743 m hohen Hochwechsel sind genau der richtige Ort dafür.

Über 70 km umfassen die Trails am Wexl: von flowigen Lines im Trailpark über kinderfreundliche Parcours im Mini-Bikepark bis hin zu den aussichtsreichen Routen der Panoramatrails. „Unser Ziel war es, für jede Alters- und Könnerstufe eine eigene Strecke zu errichten“, was Philipp und seinem Team durchaus gelungen ist. Beginnt man von oben nach unten, dann ergibt sich folgendes Bild: Zwischen Mönichkirchner Schwaig, dem Gipfel des Hochwechsel und Steyersberger Schwaig ziehen naturbelassene Singletrails Mountain- und E-Biker von nah und fern an. Besonderes Augenmerk hat man der Errichtung des 2,7 km langen Hochwechseltrails „The WU“ geschenkt: Vom höchsten Punkt schraubt sich der naturnahe Trail hinab zur Marienseer Schwaig. „Er ist das Aushängeschild unseres Trailnetzes“, wie Philipp sagt, denn er vereint alles, was man von einem alpinen Trail verlangen kann. Über Wurzeln und Steinplatten, vorbei an Heidelbeersträuchern und Kuhherden rollt man rasant bergab, während in der Ferne die Bundeshauptstadt Wien zu erkennen ist. Unten angekommen pedaliert man am besten über die Feistritzer Schwaig und den Almrausch- oder Herrgottschnitzertrail weiter bis zur Bergstation der Liftanlage, wo man bereits das laute Knarzen unzähliger Radnaben vernimmt.

Seit Sommer 2021 befördert der Schlepplift tretfaule „Parkratten“ hinauf zum Einstieg des Trailparks, wo man die Qual der Wahl hat: fünf unterschiedliche Trails führen auf einem Höhenunterscheid von rund 200 m hinab ins Tal. Wer zum ersten Mal Bikepark-Luft schnuppern möchte, dem empfiehlt Philipp den einfachen „Bergabradweg“: eine flache Strecke, auf der keine hohen Kurven, hinterlistigen Steine oder holprigen Wurzeln warten. Erfahrenen Bike-Enthusiasten legt der Traildesigner den knackigen Singletrail ans Herz, bevor man sich dann in der nächsten Runde über Österreichs sicherste Jumpline wirft. Dort finden sich perfekte Kicker, Tables, Hip- und Corner-Jumps, dazwischen bieten die weiten Anleger ausreichend Platz, um ordentlich Fahrt aufzunehmen. Die nächste Steigerung wäre dann die Downhill Line – der schwierigste Trail des gesamten Parks. „Rough und naturbelassen“, so beschreibt ihn Philipp und kann ein verschmitztes Grinsen nicht verbergen. Denn dieser Trail lässt Downhill-Herzen höherschlagen: Zahlreiche Wurzeln, Steine, Felsabsätze und technische Jumps sowie Off-Camber-Sektionen warten hier auf die Experten. „Eine wirklich intensive Line, die nicht zu unterschätzen ist“, sagt Philipp ernst und reicht mir mein Bike zurück. Der Bremshebel sieht wieder aus wie neu, es wird Zeit, dass wir unsere Fahrt fortsetzen. Denn vor uns liegt das Herzstück des gesamten Parks: der Flowtrail.

Auf einer Länge von 3,5 km schlängelt sich der flüssige Trail vom 1.158 m hoch gelegenen Speicherteich (wo sich im Sommer eine eigene SUP-Station befindet!) hinab nach St. Corona am Wechsel. Und der Name hält was er verspricht: Wer hier nicht in den Flow kommt, der sollte besser sein Rad überprüfen oder doch die Sportart wechseln. Denn kaum ein anderer Bike-Trail fügt sich so ergonomisch in die Landschaft, wie diese Abfolge aus Wellen, lässigen Anlegern, kleinen Jumps und lustigen Transfers. Hinzu kommt die sanfte Steilheit, die selbst Profis kleine Herausforderungen bietet und allen Hobby-Bikern ein durchwegs spaßiges Fahrerlebnis garantiert. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bremsen wir uns bei der Talstation ein und schnappen sofort den nächsten Lift nach oben. Der Rest des Tages verfliegt im Rausche der Geschwindigkeit, bis irgendwann die Beine müde werden und der Magen zu knurren beginnt. Gut, dass es in der Erlebnisarena ein Restaurant gibt, das auf den Namen Wexl Lounge hört. Bei saftigen Burgern und gesunden Bowls lässt man den Tag gemütlich ausklingen und schwingt sich am besten gleich am nächsten Morgen wieder in den Sattel.

Ein Blick hinüber ins Mostviertel

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