Köstliches Wein-Lexikon

Essen und Trinken wörtlich: Hier finden Sie einen kleinen Auszug aus dem Genuss-ABC für alle Geschmackslagen

A-K | L-Z

Löss:
Die Weinberge und -hügel, die „Racheln“ genannten Trockentälchen und Hohlwege östlich von Krems formt ein besonders wasserspeichernder, luftdurchlässiger und nährstoffreicher Boden: der Löss, der nicht nur die Gegend topografisch, sondern auch ihre Weine geschmacklich prägt.

Most:
Most bezeichnet im allgemeinen niederösterreichischen Sprachgebrauch ein leicht alkoholhaltiges, sanft saures und anregendes Getränk, das aus Äpfeln und Birnen gewonnen wurde (vor allem im Mostviertel im Westen Niederösterreichs und in der Buckligen Welt im Süden). Traubenmost ist der aus Trauben gewonnene Saft vor dem Einsetzen der Gärung und kann als solcher gekauft werden.

Pfefferl:
Das bekannteste Sortenmerkmal des Grünen Veltliners, der niederösterreichischen Parade-Rebsorte, ist der sanft und zart an Pfeffer erinnernde Geruchs- und Geschmackston. Und da er eben nur sanft und zart erinnert, ist er kein Pfeffer, sondern wird in der liebevollen Verkleinerungsform zum Pfefferl.

Presshaus:
Im Presshaus werden die bei der Lese gewonnenen Trauben mechanisch gepresst, dort also sind die dafür nötigen Gerätschaften zu finden. Durch das Pressen der Trauben entsteht Most. Dieser wird auf mannigfaltige Weise weiterverarbeitet, hier prägt die Kunst des Winzers wesentlich das spätere Ergebnis.

Prost, Mahlzeit:
Wer mit einem vom jungen Jahrgang stammenden Wein jemandem vor dem Fest des heiligen Martin (dem 11. November) zuprostet, gibt sich als Unkennender zu erkennen. Denn der gute alte Brauch befiehlt, dass davor beim Zuprosten ausschließlich “Mahlzeit“ gesagt werden darf (es handelt sich also streng genommen um ein gegenseitiges “Zumahlzeiten”). Der Zuruf “Mahlzeit!” vor dem Weingenuss also ist in gewissen Fällen nicht gezwungen originell, sondern traditionell.

Schlieren/Kirchenfenster:
Dichte und Komplexität und vor allem Extraktreichtum deutet ein Wein dadurch an, dass er nach dem Schwenken an den Innenwänden des Glases nur langsam abrinnt. Die Form des Tropfenvorhangs erinnert dabei entfernt an Kirchenfenster, daher auch die Bezeichnung.

Schwarze Katze:
“Kellertuch”, “Kellerschimmel” oder auch “Schwarze Katze” nennt man jenen Schimmelpilz, der sich in Kellern mit hoher Luftfeuchtigkeit (ab etwa 85 Prozent) bildet und Wände, Flaschen und Fässer mit einem gräulich-grünen Schleier überzieht. Die “Schwarze Katze” ist überaus erwünscht, signalisiert sie doch nicht nur ausgezeichnete Lagerbedingungen für den Wein, sondern reguliert auch die Luftfeuchtigkeit und ist außerdem geruchsneutral, worauf in Weinkellern ja hoher Wert gelegt wird.In seiner zweiten Bedeutung bezeichnet der Begriff “Schwarze Katze” das beste Fass im Keller.

Schwips:
Ist der Mensch sanft durch den in % vol. angegebenen Inhaltsstoff des Weins beeinträchtigt, nennt man das “Schwips”. Der im Osten Österreichs herrschende Einfallsreichtum bei der Bezeichnung des Zustandes der Beschwipstheit ist enorm.

Smaragd:
Im Angesicht eines mit der Bezeichnung “Smaragd” versehenen Weins aus der Wachau fühlt sich der Weingenießer wohl, und dies zu Recht. Hat er doch einen der besten und wertvollsten trocken ausgebauten Weißweine aus dem wohl berühmtesten österreichischen Weinbaugebiet vor sich, einen Wein mit mindestens 12 % vol. Alkohol, der mit mindestens 18,2° KMW gelesen wurde.
Benannt sind Smaragd-Weine nach den grün-bläulich schimmernden Smaragdeidechsen, die sich in den sonnengewärmten, für die Wachau typischen Steinterrassen besonders wohl fühlen.

Sommerwein/Terrassenwein:
An heißen Sommertagen oder unbeschwerten (Grill-)Abenden auf der Terrasse eignen sich hochkomplexe, alkoholschwere, anspruchsvolle Weine nicht zur nötigen Erfrischung, ganz im Gegensatz zu leichten, unkomplizierten, fruchtigen Weinen, die daher auch Sommerwein oder Terrassenwein genannt werden, und das in gar nicht abfälligem Ton.

Steinfeder:
Die Steinfeder ist ein in der Wachau auf Steinen wachsendes, federleichtes, sich im Wind wiegendes Grasgewächs, das den leichtesten, duftigsten, spritzigsten trockenen Weißweinen der Wachau ihren Namen gegeben hat. Ihre technischen Daten: Mostgewicht von 15° bis 17° KMW, maximal 11 % vol. Alkohol.

Sturm:
Dass es Sturm nur im Herbst gibt, liegt auf der Hand. Ist er doch der trübe Traubenmost nach Einsetzen der Gärung; und den Most gibt’s logischerweise nur in den Wochen nach der Lese. Der Genuss des Sturms sollte in Maßen erfolgen, nicht nur aufgrund des in ihm bereits enthaltenen Alkohols, sondern auch wegen der durchaus stoffwechselanregenden Wirkung.

Viertel:
Was das Achtel (oder “Achterl”) für den Weingourmet, ist das Viertel (vulgo “Vierterl”) für den Weingourmand: das Urmeter der Lebensfreude. Das Viertelliter-Glas fasst man in Ermangelung eines solchen auch nicht am Stiel, sondern am Henkel.

Weinbeißer:
Das Umherrollen des Weins im Mundraum und das Aufnehmen von Luft in denselben während des Verkostungsvorgangs wirkt aus der Distanz betrachtet mitunter ein wenig wie Kauen. Davon leitet sich die volkstümliche Bezeichnung “Weinbeißer” für jemanden ab, der den Wein nicht zielorientiert trinkt, sondern genussreich verkostet.

Weinhauer/Hauer:
Die traditionell österreichische Bezeichnung für den Winzer leitet her von einem zentralen Werkzeug der Zunft: Die Hacke (oder eben “Haue”) gibt dem Weinhauer seinen Namen, das Werkzeug seinerseits leitet seine Bezeichnung von der Tätigkeit des Hauers ab: Der “haut” nämlich damit steile Hanglagen.

Weinkulinarium:
Die Harmonie von Speis und Trank herzustellen ist Ziel eines Weinkulinariums, bei dem in Niederösterreich zumeist das Regionaltypische als roter Faden durch den Abend leitet.

Weinstein:
Die sich mit zunehmender Flaschenreife bildende Ablagerung der kristallierten Verbindung von Weinsäuren mit Kalium und/oder Kalzium in der Weinflasche ist harm- und geschmacklos und wird Weinstein genannt; besser gesagt: Sie wurde Weinstein genannt, denn durch die immer moderner werdende Kellertechnik kommt Weinstein immer seltener vor.
 

Was Sie noch interessieren könnte...