Der Biowinzer aus dem Traisental

Beim internationalen Bioweinpreis gewann Viktor Fischer mit dem 2015er Rosengarten Traisental DAC "Großes Gold".

Der Biowinzer mit Leib und Seele ist nicht nur selbst am Boden geblieben. Im Interview erzählt er, warum sich bei ihm am Weingut sowieso alles um den Boden dreht.

Wie sind Sie Winzer geworden?

Der Biohof Fischer besteht schon seit mehreren Generationen, meine Eltern haben die gemischte Landwirtschaft auf einen Obst– und Weinbaubetrieb umgestellt. Ich war von klein auf im Weingarten mit dabei, da hat sich mein Interesse für den Weinbau entwickelt und ich habe mich entschlossen, die Wein- und Obstbauschule in Krems zu absolvieren. Nach dem Facharbeiter habe ich den Weinbaumeister und danach den Bioweinbau-Lehrgang absolviert. Praktische Erfahrungen habe ich abgesehen vom elterlichen Hof auch bei zwei Aufenthalten in Australien (2011 & 2015), während denen ich an australischen Betrieben gearbeitet habe, gesammelt. Darüber hinaus habe ich auch bei Bio-Pionierin Ilse Maier, Bioweingut Geyerhof in Oberfucha und am Weingut Markus Huber in Reichersdorf gearbeitet. Am Biohof Fischer vinifiziere ich seit 2012.

Was ist Ihre Haltung beim Winzern?

Ich bin Bio-Winzer mit Leib und Seele. Es ist mir dabei bewusst, dass auch ich als Bio-Winzer in die Natur eingreife, weil ich sie zur Weinproduktion nutze. Ich mache mir aber Gedanken darüber, wie ich am schonendsten mit der Natur umgehen, sie fördern und unterstützen kann. Die biologische Lebenseinstellung beschränkt sich aber nicht nur auf meine Arbeit, grundsätzlich ist es mir wichtig, Umweltschutz zu fördern, Müll zu vermeiden und ganz generell keine Ressourcen zu verschwenden. Natürlich wird es auch im Bio-Weinbau immer wieder bessere und innovativere Wege geben, dem verschließe ich mich nicht, ich will Neues lernen, anwenden und so meine Art zu Arbeiten im Einklang mit der Natur und unserem Ökosystem in Zukunft noch optimieren.

Der Schritt zur Umstellung auf bio ist sicherlich eine Herausforderung, die in den ersten Jahren einiges an Mut und Arbeit braucht. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt in den letzten Jahren und weiß jetzt, wie ich mit der Natur umgehen muss. Das ist doch das Schöne an der Arbeit mit und in der Natur, man lernt die Sprache der Natur zu verstehen. Meine Eltern haben immer sehr naturnahe gearbeitet und nach einigen Bio-Versuchen 2009 den gesamten Betrieb auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Es gibt nur diesen einen Weg für uns. Als traditioneller Familienbetrieb sind wir also keineswegs Innovationen gegenüber verschlossen, im Gegenteil, wir arbeiten immer wieder daran, neue Wege zu gehen und altes Handeln zu überdenken. Unter Tradition verstehen wir eher, dass wir als Familie wissen wo wir herkommen, wie viel Arbeit, Herzblut und Leidenschaft in unseren Produkten steckt, weil wir unseren Kunden beste natürliche Produkte anbieten wollen.

Wie entsteht Innovation bei Ihnen am Weingut?

Wir haben eine Philosophie, wie wir unseren Betrieb führen wollen. So ist es uns besonders wichtig, dass wir alle Bestandteile der Früchte, die wir produzieren, verarbeiten bzw. weiterverwenden. Genauso entstehen wiederum viele unserer Innovationen. Beispielsweise werden Ernterückstände wie Trester kompostiert und wiederverwertet. Im Obstbau sind wir hier noch kreativer und haben auch Schnaps, Apfelcider, Apfelchips und Apfelessig im Angebot.

Vielfalt ist uns wichtig, was zu verschiedensten Ausbauarten z.B. beim Grüner Veltliner führt. Rotweine haben wir zurück ins Holz gebracht und so eine alte Tradition wieder aufleben lassen. Die Begrünung in den Weingärten ist bei uns keine Monokultur, sondern der Unterstockbereich wird als Acker verstanden und die Gassen als Grünland bzw. Wiese genutzt. Innovationen entstehen durch und in der Natur, indem wir sie achten und auch darauf achten, wie wir sie nutzen aber auch fördern können.

Neueste Innovation: Vom Weingarten aufs Etikett

Ein Jahr lange habe ich an den neuen Etiketten, die den Bio-Weinbau widerspiegeln sollen, gearbeitet. Die Natur lag mir dabei besonders am Herzen, mit getrockneten Gräsern und Blumen aus den verschiedenen Weingärten wurde für jeden Wein ein eigenes Etikett geschaffen. Die neue Schrift ist Vintage, denn sie wurde schon vor vielen Jahren für die Weine vom Fischer verwendet. Die Flaschen sind jetzt leichter, der Umwelt zuliebe. 

Wie erklären Sie Ihren Gästen, was BIO für Sie am Weingut bedeutet?

Wir bewirtschaften unsere Flächen laut den Bio-Richtlinien und werden jedes Jahr von der Bio-Kontrolle Austria Bio Garantie kontrolliert. Bio bedeute für uns: Der Boden ist die Basis. Ein lebendiger Boden ist die Voraussetzung, um guten Bio-Wein zu produzieren. Wir stellen für unsere Flächen selbst Kompost her, um den Humusaufbau zu fördern. Die Vielfalt bringen wir durch abwechslungsreiche Begrünung in die Weingärten. Der Boden ist unser wichtigstes Gut, weil nur auf einem gesunden Boden auch gesunde Weinstöcke gedeihen. Besonderes Augenmerk legen wir auch auf den Unterstockbereich, da es dort gilt, die Gräser und Blumen unter Kontrolle zu halten, damit sich der Weinstock frei entfalten kann. Die Begrünung zwischen den Zeilen hingegen darf ruhig vielfältig wachsen, um auch Nützlingen wie Schmetterlingen, Bienen und allem was kreucht und fleucht einen geeigneten Lebensraum zu bieten.

Was zeichnet ihre Lagen aus?

Riede Rosengarten ist bekannt für den tiefgründigen Lössboden, dort sind die Weinstöcke schon bis zu 50 Jahre alt. Diese Kombination strukturiert den Wein frisch und leichtfüßig und verleiht ihm Bodenständigkeit.

Riede Kagran liegt im Tal. Der Boden im flachen Gebiet ist durch den dort vorhandenen Flusskies und Schotter sehr steinig, gemeinsam mit der zarten Lössauflage verleiht das dem Wein eine würzige Mineralik.

Riede Bergen ist auch durch den sandigen Löss strukturiert und die Weinstöcke dort wachsen an einem sehr sonnigen Plätzchen.

Riede Gaisruck hat ebenfalls einiges an Löss zu bieten. Die Weintrauben in dieser Lage werden später reif, daher keltern wir sie gerne als Reserve.

Riede Setzen ist charakterisiert durch lehmigen Löss und ideal für Rotweine, bei uns gedeiht dort der Zweigelt.

Haben sie eine Handschrift beim Wein machen?

Ja, jeder Winzer hat seine eigene Handschrift was Weinmachen betrifft. Meine Handschrift: Ich möchte sehr fruchtige Weine produzieren, wobei jeder Wein durch seine Herkunft definiert sein soll. Ich will mich auf jeden Jahrgang einstellen und auf ihn eingehen, da jeder Jahrgang anders und eigen ist, daher bin ich sehr flexibel.

Welchen eigenen Wein empfehlen Sie Ihrem besten Freund/Freundin, warum und wie schmeckt der?

Unseren Rosengarten, weil er ein klassischer Grüner Veltliner ist und weil er dadurch, dass er auf Lössboden reift, sehr vollmundig und ausgewogen ist. Darüber hinaus ist er auch ein universeller Speisenbegleiter. Riecht nach saftigem Apfel und zeigt feine Kräuterteearomen, würziger Abgang.

Was Sie sonst schon immer sagen wollten …:

Meiner Meinung nach ist die biologische Landwirtschaft die Zukunft und ich gehe davon aus, dass diese Art der Bewirtschaftung mehr wird. Ich glaube, dass Bio-Landwirtschaft in der Lage ist, den Klimawandel zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

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