Jüdisches Niederösterreich

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Museen, Synagogen, Friedhöfe, Führungen und Institutionen: Wo in Niederösterreich jüdische Kultur präsent ist bzw. ihrer gedacht wird.

Die wechselvolle Geschichte der Juden in Niederösterreich besitzt einerseits Episoden hoffnungsvoller Einwanderung und blühender Kultur, ist aber andererseits geprägt von Ausgrenzung, Feindseligkeit bis hin zur beinahe restlosen Auslöschung. Für beides gibt es eindrucksvolle Gedenkstätten, die helfen, das Auf und Ab des jüdischen Lebens in Niederösterreich zu verstehen.

Jüdische Gemeinden in Niederösterreich gab es bereits im 13. Jahrhundert. Doch die Juden wurden immer wieder verfolgt und vertrieben, etwa 1670, als Kaiser Leopold I. sie des Landes verwiesen ließ. Mit dem Toleranzpatent Josefs I. 1783 traten Verbesserungen ein, die mit der völligen Gleichstellung mit Nichtjuden durch die Staatsgrundgesetze von 1867 gipfelten. Dann nahm der Antisemitismus wieder Fahrt auf und fand in der NS-Zeit seinen schrecklichen Höhepunkt. Im Jahr 1938 zählte man in Niederösterreich 15 jüdische Gemeinden. Zwischen März 1938 und Mai 1940 wurden alle diese Gemeinden nach und nach aufgelöst, die Mitglieder vertrieben, deportiert und umgebracht. Heute gibt es in Niederösterreich nur mehr eine aktive jüdische Gemeinde in Baden bei Wien. Jüdische Spuren haben sich aber auch in anderen Orten erhalten.

Das Zentrum für interkulturelle Begegnung in Baden

Die jüdische Gemeinde Baden war in der Zwischenkriegszeit nach Wien und Graz die drittgrößte Österreichs und ist heute die einzige aktive jüdische Gemeinde in Niederösterreich. Die Synagoge Baden wurde 1873 errichtet und 2005 durch einen ansprechenden Neubau ersetzt. Im Gebäude befindet sich auch das Zentrum für interkulturelle Begegnung, in dem zahlreiche Kulturevents wie Konzerte, Lesungen, Filmvorstellungen, Ausstellungen sowie Vorträge und Seminare stattfinden, die den Dialog und die Akzeptanz unterschiedlicher Religionen und Kulturen fördern wollen. Sehenswert ist auch der jüdische Friedhof.

Stadtspaziergänge: Jüdisches Leben in Baden und Wr. Neustadt

Die staatlich geprüfte Fremdenführerin Christine Triebnig-Löffler bietet in ihrer Heimatstadt Kultur-Führungen an, in der sie das jüdische Baden von einst und heute präsentiert. Der Stadtspaziergang zeigt die Verankerung der Juden in der Geschichte der Stadt anhand von Orten und Häusern, wo jüdische Persönlichkeiten lebten und wirkten. Der Weg führt vom neuen Mahnmal quer durch die Innenstadt bis zur Synagoge. Führungen durch die jüdische Gemeinde und Geschichte werden auch in Wiener Neustadt angeboten: Die jüdische Gemeinde zählte neben Krems und Wien einst als zu den ältesten Österreichs. 1938 wurden alle jüdischen Einwohner:innen vertrieben. Zahlreiche Gebäude und die bekannten "Stolpersteine" erinnern heute in Wiener Neustadt noch an die jüdische Geschichte der Stadt.

Das Hacker Haus in Bad Erlach – Museum für Zeitgeschichte

Im ehemaligen Geschäfts- und Wohnhaus der jüdischen Familie Max Hacker in Bad Erlach ist ein Museum untergebracht. In einer Dauerausstellung werden die Besucher:innen mittels Hörstationen mit spannenden Zeitzeugenberichten, Fotos und Dokumenten auf eine Zeitreise in das jüdische Leben in einer niederösterreichischen Kleinstadt der Zwischenkriegszeit mitgenommen. Auch das tragische Ende der jüdischen Gemeinde in Bad Erlach sowie das menschliche Leid ab dem Jahr 1938 werden am Beispiel der Arisierung des Betriebs und der Vertreibung und Ermordung von Familienmitgliedern nachvollziehbar.

Das jüdische Kulturzentrum in der ehemaligen Synagoge St. Pölten

Seit 1988 ist das Institut für jüdische Geschichte Österreichs in der ehemaligen Synagoge St. Pölten untergebracht, in der Ausstellungen und Veranstaltungen an die Geschichte der Juden in Niederösterreich gedachten. Aktuell wird die Synagoge renoviert und umgebaut. Ab 2024 soll das renovierte Gebäude dann auch als Kulturzentrum, in dem jüdische Kultur und Geschichte erlebbar werden sollen, dienen.

Ruine der ehemaligen Synagoge in Korneuburg

Die ehemalige Synagoge in Korneuburg ist der älteste erhaltene Bau seiner Art in Österreich und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher Synagogenarchitektur im deutschsprachigen Raum. Das Gebäude steht seit 1980 unter Denkmalschutz und harrt einer Restaurierung. Geplant ist, die ehemalige Synagoge der Allgemeinheit zugänglich zu machen und eine Ausstellung über die Gebäudegeschichte und die Geschichte der jüdischen Gemeinde zu installieren.

Jüdische Friedhöfe

Über 30 jüdische Friedhöfe gibt es in Niederösterreich noch. Nur wenige von Ihnen dienen heute aber noch als Beerdigungsstätten, oft sind sie heute nur mehr Zeugen einer untergegangenen Welt. Einige stehen unter Denkmalschutz und können besucht werden, mancherorts werden auch Führungen, z. B. in Hollabrunn, Klosterneuburg, Krems, St. Pölten und Wiener Neustadt. Der Verein Helikon kümmert sich um die Erhaltung einiger jüdischer Friedhöfe im Weinviertel und organisiert auch Führungen, etwa in Deutsch-Wagram, Dürnkrut, Gänserndorf, Groß-Enzersdorf, Hohenau an der March, Korneuburg, Marchegg, Mistelbach, Stockerau und Zistersdorf.