Der Exzentriker vom Bahnhof

Egon Schiele: Der in Tulln an der Donau geborene Maler zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus.

Sein Lebensstil und seine Bilder galten vielen Zeitgenossen als anstößig. Heute wird Egon Schiele als einer der bedeutendsten Maler verehrt, den Niederösterreich im letzten Jahrhundert hervorgebracht hat.

Egon Schiele wird am 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau als Sohn eines Bahnbeamten geboren und zeigt schon früh Talent zum Malen. Als 16-jähriger wird er in der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Sein exzentrischer Lebensstil (er lebt mit seinem Lieblingsmodell Wally Neuziel in freier Lebensgemeinschaft) und seine „unsittlichen“ Bilder erregen vehementen Unmut. 1912 wird er sogar wegen angeblicher „Entführung und Schändung einer Minderjährigen“ in Neulengbach in Untersuchungshaft genommen, aber in den Hauptanklagepunkten freigesprochen. In seinen letzten Lebensjahren lebt Schiele in Wien und heiratet dort seine Freundin Edith Harms. 1918 stirbt der erst 28-jährige wie seine Frau an der Spanischen Grippe.
 

Ausdruck ist alles


Egon Schiele zählt neben Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne und des Expressionismus, seine Bilder erzielen auf internationalen Auktionen heute Höchstpreise. Gegen den Schönheitskult des Wiener Jugendstils setzt er das betont Deformierte und Verzerrte. Häufig malt er Selbstporträts und Aktdarstellungen.
 

Schiele schauen in Niederösterreich


Zwei wichtige Orte in Schieles Leben – das Geburtszimmer im Bahnhof Tulln und die Arrestzelle in Neulengbach, in der der Künstler 24 Tage lang in Untersuchungshaft einsaß – können heute besichtigt werden. In Tulln befindet sich außerdem das Egon Schiele Museum, das als einziges Haus weltweit eine Darstellung seines Frühwerks präsentiert.