Tu felix Austria nube – Auf den Spuren der Habsburger

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Hier hat das kaiserliche Geschlecht der Habsburger in Niederösterreich Geschichte geschrieben.

Große Schlachten, prachtvolle Schlösser, visionäre Projekte, geheimnisumwitterte Tragödien und private Idyllen: Wer sich in Niederösterreich auf die Spuren der Habsburger begibt, gelangt zu den schönsten ihrer Residenzen und sieht und hört dabei viel von vergangenem Pomp und Glorie – aber auch zuletzt sehr menschliche Lebensgeschichten.

Die Habsburger fassen Fuß: Rudolfs I. Sieg 

Die Herrschaft der Habsburger begann mit einem glorreichen Sieg: In der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen, einer der größten Ritterschlachten des Mittelalters, bezwang am 26. August 1278 der römisch-deutsche König Rudolf I. von Habsburg den böhmischen König Ottokar II. und legte so den Grundstein für die Dynastie der Habsburger im Bereich des heutigen Österreichs. In der Dauerausstellung „Schlacht & Schicksal – Jedenspeigen 1278 im Brennpunkt Mitteleuropas“ auf Schloss Jedenspeigen im Bezirk Gänserndorf wird die Auseinandersetzung ausführlich dokumentiert. Höhepunkt ist eine digitale Rekonstruktion der Gefechte, bei der die Besucher mitten im Schlachtgeschehen stehen und die entscheidenden Wendungen des blutigen Kampfs miterleben.

Karl VI. und Stift Klosterneuburg

Zu den ambitioniertesten Projekten der Habsburger in Niederösterreich zählt der barocke Ausbau des Stifts Klosterneuburg unter Kaiser Karl VI. Der Vater Maria Theresias wollte das Stift nach dem Vorbild des spanischen El Escorial als Kloster und gleichzeitig als Herrscherpalast etablieren. Als Karl VI. 1740 zehn Jahre nach Baubeginn starb, wurden die Arbeiten aber umgehend eingestellt. Übrigens sehr zur Erleichterung der Klosterneuburger Chorherren, auf deren Kosten Karls kolossale Pläne damals verwirklicht wurden! Wenn man heute am Donauufer steht und auf das Stift hinaufschaut, mag man nicht glauben, dass nur ein Viertel der geplanten Anlage fertig geworden ist. Denn das, was vollendet wurde, gehört zum Gewaltigsten und Prachtvollsten, was im Barock in Mitteleuropa gebaut wurde.

Thronfolger Rudolfs Tragödie in Mayerling

Eine Liebelei des österreichischen Thronfolgers endete in der weithin bekanntenTragödie von Mayerling. Am 30. Jänner 1889 erschoss der österreichische Thronfolger Rudolf von Habsburg in seinem im Wienerwald gelegenen Jagdschloss Mayerling zuerst seine 17-jährige Geliebte Mary Vetsera, ehe er sich selbst durch eine Kugel richtete. So lautet zumindest die wahrscheinlichste Version der Geschichte. Die Wahrheit wurde vom Wiener Hof lange Zeit vertuscht, auch rekonstruieren kann man die Geschehnisse heute nicht mehr. Rudolfs Vater, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn, ließ das Schlafzimmer Rudolfs abreißen und an dieser Stelle eine Kirche bauen. Deren Altar befindet sich exakt an der Stelle, an der das Bett stand, auf dem das Paar starb. Das Gebäude ist heute Teil eines Klosters für Karmeliterinnen, die Gedächtniskirche ist für Besichtigungen geöffnet. Es gibt auch ein Besucherzentrum und wechselnde Ausstellungen.

Erzherzog Franz Ferdinand in Artstetten

Das Schicksal des nächsten Thronfolgers, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, ist ebenfalls auf dramatische Weise mit einem Schloss in Niederösterreich verwoben. Der Neffe Franz Josephs ehelichte mit Sophie Chotek eine Frau von altem, aber niederem böhmischen Adel. Weil ihm mit der unstandesgemäßen Hochzeit die letzte Ruhestätte der Habsburger in der Wiener Kapuzinergruft verwehrt blieb, ließ Franz Ferdinand für sich und seine Frau auf dem über der Donau bei Pöchlarn gelegenen Schloss Artstetten eine Familiengruft errichten. 1910 wurde diese fertiggestellt. Nur vier Jahre später wurde das Paar in Sarajewo erschossen. Heute leben noch die Nachfahren Franz Ferdinands und Sophies auf Artstetten. Das Schloss beherbergt nicht nur die letzte Ruhestätte der Thronfolgerfamilie, sondern auch ein Museum, in der die Dauerausstellung "Durchs Schlüsselloch: Geschichte erzählt!" zu sehen ist.

Maria Theresia und ihr Paradeschloss

Glücklicherweise waren Niederösterreichs Schlösser nicht immer Schauplätze großer Tragödien. Meistens verlebten die kaiserlichen Besucher:innen angenehme Aufenthalte auf ihren Landsitzen. Denn Wien war in der Regel Residenz und Arbeitsplatz, zur Erholung und zur Unterhaltung aber zog man aufs Land. Schloss Hof ist einer dieser Landsitze und ist heute  Niederösterreichs größte und auch eine der schönsten europäischen Schlossanlage des Barock. Es diente zuerst dem korsischen Feldherren Prinz Eugen (1663–1736) und dann Kaiserin Maria Theresia (1717–1780) als Jagd- und Festschloss. Die ganze Anlage wurde detailgetreu revitalisiert und ist Schauplatz einer einzigartigen barocken Erlebniswelt mit jährlich wechselnden Ausstellungen im Schloss, einem Gutshof und einer Tierwelt. Und einer prachtvollen Gartenanlage mit zahlreichen Brunnen und Ebenen, die man mithilfe von Gemälden von Canaletto aus dem Jahr 1760 revitalisiert hat.

Der Adel – die ersten Sommerfrischler

Auf Geheiß Maria Theresias wurde auch Schloss Laxenburg und der dazugehörige Schlosspark zur Sommerresidenz ihrer großen Familie ausgebaut. Mitten im idyllischen Schlossteich ließ sich dann ihr Nachfolger Kaiser Franz I. (1768–1835) mit der Franzensburg eine Ritterburg wie aus dem Märchenbuch errichten. Franz I. war überhaupt gern in Niederösterreich und verbrachte die Sommermonate im mondänen Kurort Baden bei Wien. Das damalige Stadtpalais, in dem er residierte, ist heute als Kaiserhaus Baden bekannt und Schauplatz von Ausstellungen zur Kaiserzeit. Rainer Ferdinand von Österreich schließlich verdankt der überhitzte Urlaubsgast einen der beliebtesten Plätze in Hitzesommern: Der Neffe von Franz I. ließ mit dem Fischauer Thermalbad ein Badejuwel errichten, das heute noch genau so aussieht wie zu Kaisers Zeiten und mit 19° kaltem Quellwasser wirklich noch erfrischt.

Erzherzog Karl Ludwig und Schloss Wartholz

Noch ein Habsburger, den es zur Sommerfrische allerdings in den niederösterreichischen Süden zog: Erzherzog Karl Ludwig, der Bruder von Kaiser Franz Joseph. Dieser ließ sich von Heinrich Ferstel von 1870 bis 1872 in Reichenau an der Rax die Villa Wartholz erbauen. Da das Gebiet um Reichenau seit dem Bau der Südbahn zu einer beliebten Sommerfrischeregion der adeligen Gesellschaft wurde, trafen sich in der Villa nicht nur Mitglieder der kaiserlichen Familie und des Hochadelse, sondern auch Künstler:innen und Wissenschaftler:innen. Die Villa Wartholz ist heute in privater Hand, wurde behutsam restauriert und beherbergt ein Café und eine Schloßgärtnerei, die man besichtigen kann. Das Schloß Wartholz dient außerdem als Schauplatz für Lesungen, Konzerte, Vorträge und Sommerkinoabende und ist ein beliebter Treffpunkt bei Einheimischen und Urlaubsgästen. . 

Das glücklose Ende einer Epoche

Ein weiteres Jagdschloss der Habsburger befindet sich in Eckartsau im Marchfeld unweit der Donauauen. Die ehemalige Wasserburg wurde unter Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, Gatte Maria Theresias, zum barocken Jagdschloss ausgebaut. Berühmtheit erlangte Schloss Eckartsau allerdings rund eineinhalb Jahrhunderte später: Kaiser Karl I., der letzte Herrscher des Hauses Habsburg, verbrachte die letzten Monate im Marchfelder Schloss, bevor er 1918 ins Schweizer Exil flüchten musste. Wie Karl und seine Familie ihre letzten Tage in Österreich verbracht hat, ist heute noch in Eckartsau zu besichtigen.