Küss' die Hand, Semmering.

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Der Semmering und die großen Häuser am Fuße des Berges rüsten sich gerade für ihre Renaissance. Denn die Sommerfrische hält wieder Einzug. Und kommt nachhause zurück.

Der Semmering und die Sommerfrische gehören einfach zusammen. Und zwar fix, für immer und ewig. Denn ganz besonders dort genießt man dieses einzigartige Ambiente an Originalschauplätzen, wie dem Südbahnhotel oder dem Kurhaus Semmering vor den Toren Wiens. Da taucht man in eine längst vergangene Zeit ein, die geprägt ist von Kunst und Kultur, einem einzigartigen Flair, langen Gesprächen und ebensolchen Spaziergängen. Die und sich selbst lässt man hier für ein langes Wochenende wieder aufleben.

Erst die Südbahn, ...

Die Geschichte der Südbahn wurde von mutigen Visionären, grandiosen Technikern, mächtigen Monarchen und risikobereiten Investoren geschrieben. Alles über sie erfährt man im Weltkulturerbe-Informationszentrum. Einer – und wenn nicht sogar der Wichtigste von ihnen – war Carl Ritter von Ghega. Sein Konterfei kennt man von 20-Schilling-Noten aus dem Jahre 1967. Die Rückseite des Scheins ziert sein wahrscheinlich wichtigstes Projekt: Die Südbahn und das gigantische 184 Meter lange und 46 Meter hohe „Kalte Rinne“-Viadukt, eingebettet ins Semmeringpanorama. Wer sich das malerische Bild des alten 20ers in echt ansehen möchte, kann das vom Original-Blickplatz des „20-Schilling-Blicks“ bei einer Wanderung tun.

Carl Ghega ist ein Held, denn er hat damals das Unmögliche möglich gemacht: Die Bahnüberquerung des Semmerings, 895 Meter hoch mit einer Steigung von bis zu 25 Prozent. Damit schrieb er 1854 nicht nur Geschichte, sondern machte Österreich zum Pionier beim Bau von Gebirgsbahnen mit durchgehenden, langen Steilrampen. Und ermöglichte der besseren Gesellschaft eine gemütliche Anreise zur Sommerresidenz. Denn aus der „Eroberung des Südens“ entstand auch eine Touristenhochburg, die heute wie damals mit einem unvergleichlichen Charme überzeugt. Kein Wunder, dass ihrem Schöpfer Ghega ein ganzes Museum gewidmet ist.

… dann die Hotels.

Nachdem der Weg in die Semmering-Region leichter und der Ansturm größer wurde, kamen neben dem Adel, der seine eigenen Villen besaß, auch die feineren Leute. Das erste Haus war 1882 das heute noch legendäre Südbahnhotel auf 1.000 Metern Seehöhe. Hier lernte ein kleiner Kaiser Skifahren, Künstler trafen Musen und Mäzene, Heiratswillige tanzten und Geschäftsmänner verschwanden in Hinterzimmern. Ja, es war ein buntes und illustres Treiben. Der Kur- und Sommerfrische-Tourismus wurde hier quasi erfunden und machte aus der kleinen Gemeinde einen mondänen Höhenluftkurort. Heute erstrahlt das ehrwürdige Haus – nach Zubauten und Wiederaufbauten – als ikonisches, 400 Zimmer großes Kunstwerk der Semmering-Region. Vom Ende der 1960er Jahre bis zum Sommer 2017 blieben die Türen verschlossen. Heute kann man beim Kultur.Sommer.Semmering das Südbahnhotel als traumhaft nostalgische Kulisse wieder mit Leben erfüllen. Also hereinspaziert und abgetaucht… in eine Welt, die zum Träumen schön ist.

Einen ähnlichen Esprit versprühte einst das Kurhaus Semmering. Eingebettet in die malerische Bergkulisse, wurde es 1909 erbaut. Es repräsentiert den Übergang vom Späthistorismus zur funktionalistischen Moderne par excellence. Die Mischung aus Heimatstil, Schlossarchitektur und dekorativem Jugendstil à la Otto Wagner verzückt. Kein Wunder, dass das noble Kurhotel auch großen Denkern wie Max Reinhardt, Arthur Schnitzler, Gerhart Hauptmann, Peter Altenberg, Franz Werfel oder Alma Mahler als Sommerfrische-Refugium diente. Seit 1988 hat hier niemand mehr übernachtet. Aber das könnte sich bald ändern, denn Anfang 2020 hat der Grazer Hotelier Florian Weitzer das Objekt erstanden. Die historische Originalsubstanz soll bei der Sanierung erhalten bleiben, das traditionsreiche Haus als Hotel Grand Semmering wiedereröffnet werden.

Und schließlich: Abschalten und genießen.

Beim Wandern parliert es sich gar herrlich, da legt man gern auch einmal eine längere Runde ein. So zum Beispiel am Bahnwanderweg von Semmering nach Payerbach. Die Tageswanderung hat etliche Höhepunkte, wie das UNESCO-Weltkulturerbe Semmeringeisenbahn und eine Stärkung im Looshaus am Kreuzberg – oder sogar eine Übernachtung. Denn ganz ehrlich: Wer möchte nicht gerne in den vom berühmten Adolf Loos erdachten Räumlichkeiten gastieren? Ganz standesgemäß schläft man übrigens auch direkt in Semmering. Die Villa Antoinette kann für bis zu 13 Personen inklusive Pool exklusiv gemietet werden. Und ist jeden Cent wert! Unweit von hier startet der Semmeringer Zauberblicke-Weg. Er entführt zum 20-Schilling-Blick, zur imposanten Doppelreiteraussichtswarte und am Rückweg zu etlichen Semmeringvillen. Ein großartiger und perfekt gelegener Einkehrtipp ist das Hotel Belvedere und auch im Restaurant Löffler lässt es sich hervorragend speisen. Wer sehen will, wo Carl Ritter von Ghega den Verlauf der Semmeringbahn durch den Adlitzgraben plante, unternimmt am besten die Semmering-Eselstein-Tour. Wieder unten angekommen, geht’s in eine Ferienwohnung der Villa Daheim, Sommerfrisch-Ambiente und Top-Ausblick inklusive, oder direkt ins Zentrum zur Frühstückspension-Landhaus Semmering.

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