Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner meint: „Niederösterreich ist ein Land mit einer großen Geschichte, einer einzigartigen Natur und lebendigen Traditionen. Unsere UNESCO-Welterbestätten zeigen, wie wertvoll und vielfältig unser Land ist. Diese Schätze zu bewahren und gleichzeitig für kommende Generationen erlebbar zu machen, ist uns ein wichtiges Anliegen. Gerade im Herbst bietet sich die Gelegenheit, Niederösterreich von seiner schönsten Seite zu entdecken – und dabei die Besonderheiten unseres Landes unmittelbar zu erleben.“
Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung ist überzeugt: „Man muss nicht besonders historisch bewandert oder kulturaffin sein, um von diesen Besonderheiten fasziniert zu sein. Wer einmal über den Welterbesteig Wachau gewandert ist, mit der Semmeringbahn eine Zeitreise in die beeindruckende Landschaft unternommen, im Waldviertel ein Abfischfest beim Karpfenteich erlebt, im Urwald die Kraft der Natur gespürt hat oder durch idyllische Kellergassen geschlendert ist, der oder die weiß: Bei jedem Ausflug gibt es Besonderes zu erleben, und bei einem Kurzurlaub natürlich noch viel mehr!“
UNESCO-Welterbe-Auszeichnungen werden an Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlichem universellen Wert verliehen und in die Kategorien Weltkulturerbe und Weltnaturerbe eingeteilt. Zum immateriellen Kulturerbe zählen hingegen lebendige Traditionen, Bräuche sowie überliefertes Wissen. Viele dieser Orte und Bräuche lassen sich bei Führungen, Wanderungen und regionalen Festen in Niederösterreich unmittelbar erleben.
Die Wachau: Kulturlandschaft aus Wein, Donau und Geschichte
Seit dem Jahr 2000 zählt die Wachau zum UNESCO-Welterbe. Ausgezeichnet wurde die auf rund 40 Flusskilometern zwischen Melk und Krems über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft aus mittelalterlich geprägten Dörfern, Marillengärten und steilen Weinterrassen, die von hunderten Kilometern Trockensteinmauern gehalten werden. Diese Steinmauern werden bis heute von Hand errichtet – ein Handwerk, das seinerseits Teil des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO ist.
Zu den Höhepunkten in der Wachau zählen das Stift Melk, eines der bedeutendsten Barockklöster Europas, sowie das hoch über der Donau gelegene Stift Göttweig, wegen seiner Lage oft „österreichisches Monte Cassino" genannt. Die Altstadt von Krems besticht mit mittelalterlichen Gassen und der Kunstmeile, während das Städtchen Dürnstein mit seiner Burgruine und dem blau-weißen Kirchturm einen weiten Blick über Donau und Weinberge bietet. Die Region lässt sich am besten auf dem Donauradweg erkunden, der an beiden Ufern verläuft oder bei einer Fahrt mit dem Schiff oder einer traditionellen Wachauer Zille. Imposant ist auch der Blick von oben, wenn man auf einer der 14 Etappen des Welterbesteigs Wachau wandert.
Technik als Weltkulturerbe in den Wiener Alpen: Die Semmeringbahn
Als erste Hochgebirgsbahn der Welt steht die Semmeringbahn seit 1998 auf der UNESCO-Welterbeliste. Ausgezeichnet wurde die außergewöhnliche Ingenieursleistung, mit der die zwischen 1848 und 1854 erbaute Strecke die Nördlichen Kalkalpen auf 898 Metern Seehöhe überwindet: über 41 Kilometer mit 15 Tunneln, 16 Viadukten und 100 gewölbten Brücken. Die Erschließung machte den Semmering zudem zu einem beliebten Sommerfrischeziel der k.-u.-k.-Gesellschaft, was heute noch an den Jugendstilvillen und den historischen Hotels entlang der Strecke sichtbar ist.
Besonders eindrucksvoll lässt sich das Weltkulturerbe auf dem rund 20 Kilometer langen Bahnwanderweg ab Semmering erleben, der am berühmten 20-Schilling-Blick, dessen Panorama einst den österreichischen 20-Schilling-Schein schmückte, am Kalte-Rinne-Viadukt vorbeiführt und grandiose Ausblicke auf Schneeberg und Rax bietet. Auch mehrtägige Touren mit Übernachtung und Halbpension werden angeboten.
Europas große Kurtradition im Wienerwald: Baden bei Wien
Baden bei Wien ist Teil der „Great Spa Towns of Europe“, die als bedeutende Kurstädte seit 2021 Teil des UNESCO-Welterbes sind. Die Thermalquellen sind seit der Römerzeit dokumentiert. Ab 1793 stieg Baden unter Kaiser Franz II. zum führenden Kurort Österreichs auf. 1820 eröffnete hier das erste freistehende Kurhotel Europas. Die Welterbe-Kernzone umfasst die historische Altstadt mit den ehemaligen Bädern, das Ensemble aus Kurhaus und Kurpark sowie den Villengürtel bis zum Helenental.
Erkunden kann man die Kurstadt am besten bei thematischen Stadtführungen zu den historischen Badeanlagen und durch das Kurviertel. Die Schwefelquelle und die heutige Therme Baden machen die jahrhundertealte Badetradition unmittelbar erlebbar.
Wildnis von Weltrang: Dürrenstein-Lassingtal im Mostviertel
Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal wurde 2017 von der UNESCO, gemeinsam mit dem Nationalpark Kalkalpen, zum ersten Weltnaturerbe Österreichs erklärt. Es steht somit in einer Reihe mit dem Grand Canyon und den Galapagos-Inseln. Ausgezeichnet wurde der größte zusammenhängende Urwaldrest des gesamten Alpenbogens.
Ein interaktives Besucherzentrum informiert über Natur, Urwald und Region und bietet geführte Exkursionen an (Buchung erforderlich). Der familienfreundliche Eulenweg führt an diversen Wissensstationen vorbei und ist auch mit dem Fahrrad befahrbar. Der Gipfel Dürrenstein selbst ist über mehrere Routen erreichbar. Empfehlenswert ist eine Übernachtung auf der Ybbstalerhütte. Von dort führt der Luchs Trail, ein Weitwanderweg mit 13 Etappen, weiter.
Gelebtes Kulturerbe: Weinviertler Kellerkultur
Die Weinviertler Kellerkultur zählt seit 2022 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. In den Presshäusern und Kellern der Weinviertler Kellergassen sinniert man bei der „Köllastund" bei einem Glas Wein gern über das Leben, während bei der „Köllapartie" nach altem Kellerrecht auch spontan Vorbeikommende willkommen sind – stets nach der Regel „Was im Keller spricht, das dringe nicht ans Tageslicht". Dazu gehört stets eine „Köllajausn" mit hausgemachten, regionalen Speisen.
Am besten lässt sich die Kellerkultur bei den Tagen der offenen Kellertür, Kellergassenfesten, der Langen Nacht der Kellergassen sowie bei Führungen mit zertifizierten Guides und beim Weinherbst Niederösterreich erleben.
Neue internationale Auszeichnung: Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft
Im Mai 2025 ernannte die Welternährungsorganisation FAO die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft zum landwirtschaftlichen Weltkulturerbe. Ausgezeichnet wurden die nachhaltige Bewirtschaftung, die Artenvielfalt sowie der Erhalt des jahrhundertealten Wissens. Die rund 900 Jahre alte Teichwirtschaft umfasst über 2.200 Teiche, bewirtschaftet von rund 150 Teichwirtinnen und Teichwirten.
Für Gäste gibt es beispielsweise die Teichranger-Führung „Die Welt des Karpfens in 12 Stationen" oder das Reisepaket „Karpfen hautnah erleben". Im Oktober werden die Teiche abgelassen und bei den Abfischfesten in Heidenreichstein, am Klosterteich bei Stift Geras oder in der Erlebniswelt Gallien feiern Einheimische und Gäste gemeinsam die „Ernte“.