Der Letzte seiner Art

Außer in Waidhofen an der Thaya. Dort, im Norden des Waldviertels, führt Rudolf Effenberger als einer der letzten seiner Zunft das Kunsthandwerk ins 21. Jahrhundert.

Schon die alten Römer verstanden sich darauf, Kupfer kunstvoll zu formen. Trotz seiner jahrtausendealten Tradition ist das Handwerk des Metalldrückens aber heute beinahe ausgestorben.

Räucherwerkzeug aus dem Waldviertel
Seit jeher vertrauen die Menschen auf die wohltuende Kraft des Räucherns mit Kräutern und Harzen. Die Benediktinerin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen praktizierte das Räuchern, um „böse Luftgeister zu verscheuchen“. Und auch heute noch sagt man, dass Räuchern schlechte Energie vertreibt und bei Neuanfängen und Wohnungsumzügen hilft. Um die Luft möglichst effektiv und einfach zu reinigen, verwendet man sogannte Räucherpfanne, die nur mehr der Waldviertler Metalldrücker Rudolf Effenberger von Hand herstellt. Man gibt glühende Kohlen in die Pfanne, darüber wird dann das Räucherwerk, das aus Kräuter- und Harzmischungen besteht, verteilt. Weil Pfanne und Deckel, beides aus Kupfer, mit kleinen Löchern versehen sind, kann die Luft zirkulieren und der Geruch der Kräuter verteilt sich gleichmäßig im Raum. 

Gutes Handgefühl
Damit Rudolf Effenberger bei der Herstellung der Pfanne besser spüren kann, wie das Material sich verändert und bewegt, arbeitet er am liebsten ohne Handschuhe. Für jedes seiner Werkstücke nimmt sich der Meister Zeit, jede der Räucherpfannen wird mit liebevoller Hingabe geformt. Mithilfe des sogenannten Drückstahls entsteht aus der flachen Kupferplatte in langsamen, gleichmäßigen Bewegungen die Pfanne. Die Griffhülsen – also den kleinen Kupferteil, in dem der lange Stiel aus Birnenholz steckt – stellt Rudolf Effenberger aus Kupferresten her. Denn dem Metalldrücker ist es wichtig, sparsam mit dem wertvollen Material umzugehen.

Stadt, Land, Kupfer
Übernommen hat Herr Effenberger den vom Großvater 1908 in Wien gegründeten Betrieb von seinem Vater. Zusammen mit mehr als 1000 Modeln zog es den geborenen Wiener vor Jahren der Liebe wegen ins Waldviertel, wohin ihm heute noch treue Kunden folgen. Das Wissen ums Fertigen seltener handgemachter Metallerzeugnisse aus Kupfer, auf die man sich in Effenbergerers Familie immerhin schon seit über 100 Jahren versteht, findet zunehmend wieder Liebhaber und Käufer – man schätzt das Echte und Einzigartige wieder!

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