Hier fliegen die Fetzen

Familie Mörzinger hat sich der alten Kunst des Büttenpapiermachens angenommen und fertigt in ihrer Waldviertler Papiermühle Papier aus Baumwollstoffen.

In der Papiermühle Mörzinger fliegen schon mal die Fetzen. Keine Angst, es geht dabei ganz friedlich zu, das gehört zu dem Beruf dazu!

Die Papiermacher
In den 1960er-Jahren übernahm Franz Mörzinger die Mühle im Waldviertler Bad Großpertholz. Damals hatte die Mühle schon 180 Jahre am Buckel. Der gelernte Maschinenschlosser brachte die alten Maschinen auf Vordermann und startete mit der Papierproduktion. Heute führt sein Sohn Siegfried mit Ehefrau Margarethe das Familienunternehmen. Reine Baumwolle ist das Grundmaterial für das traditionelle Büttenpapier, und die Papiermühle Mörzinger ist europaweit die letzte, die wirklich Baumwollstoff zur Herstellung verwendet. Alle anderen machen es sich leicht und nehmen Zellulose ...

Holländer am Werk
Fröhlich werden beim sogenannten „Fetzenballett“ von den Schwestern Eva und Margarethe Mörzinger die angelieferten Baumwollstoffe händisch mit der Schere in kleine Stückchen geschnitten. Einmal im Monat kommen dann 30 Kilo Baumwollfetzerln, die man im Waldviertel Hadern nennt, mit 1.000 Liter Wasser und vier Liter Leim in den Holländer. Das ist eine Maschine, die mit einer Messerwalze den Stoff mit dem Wasser und dem Leim zu einem Faserbrei vermengt. Nach 40 Stunden ist der Brei fertig und wird in großen Bottichen, sogenannten Bütten (daher auch der Name Büttenpapier!) mit Wasser vermischt, um dann etwa zu den schmalen Lesezeichen geschöpft zu werden. Bevor das Papier gepresst wird, kommen frischen Blumen aus dem Waldviertel auf die feuchte Masse. Liebevoll sucht Eva Mörzinger die Blüten aus und legt sie auf die Lesezeichen. Das Pressen drückt die Blumen dann in das Papier und gemeinsam trocknen sie schließlich am Dachboden. Fertig sind die einzigartigen Lesezeichen!

 

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