Museum Gugging

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Gugging im Wienerwald nahe Klosterneuburg ist für die internationale Kunstwelt zu einem Begriff geworden.

Die Kunst der Gugginger Gruppe wird der Art Brut zugerechnet. Der Maler Jean Dubuffet, der diesen Begriff prägte, bezeichnete damit eine „edle, herbe, ursprüngliche Kunst“ mit einer höchst persönlichen und unangepassten Formensprache.

Kunst ohne Vorbilder

Das „Haus der Künstler“ auf dem ehemaligen Gelände der Landesnervenklinik Gugging ist keine Abteilung des Krankenhauses, sondern eine Wohngemeinschaft. Leo Navratil, Psychiater an der ehemaligen Landesnervenklinik in Maria Gugging im Wienerwald, hatte erkannt, dass einzelne seiner Patienten Bilder anfertigen, die weder in die Gruppe der Laien noch in die Gruppe der Psychotiker passten. Die Gugginger produzieren Kunst, die als Art brut in der Kunstgeschichte ihren Platz gefunden hat, die künstlerische Avantgarde war begeistert von dieser neuen Formensprache, einer Kunst ohne Vorbilder. „Zusammen mit dem Haus der Künstler, dem museum gugging und dem offenen atelier gugging, ist die galerie gugging heute ein Ort der Kunst geworden, der einmalig ist … “, so Prof. Dr. Johann Feilacher, der die galerie gugging 1994 begründet hat. Maler wie Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla gelten heute weltweit als anerkannte Künstler.

Tschirtner von Kopf bis Fuß!

Das museum gugging zeigt unter dem Titel „oswald tschirtner.! das ganze beruht auf gleichgewicht“ von 13. Februar bis 27. September 2020 die dritte große Personale in der Geschichte des Museums. 260 Werke spannen den Bogen von Klein- zu Großformaten und spiegeln die sehr unterschiedlichen Schaffensperioden und Facetten Oswald Tschirtners, der als einer der erfolgreichsten Gugginger Künstler gilt. „Tschirtners Weg zum Künstler war keinesfalls vorgezeichnet“, so Johann Feilacher, der die Ausstellung auch kuratiert. „Kaum ein Künstler ist mit Gugging so verbunden: In französischer Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg psychisch erkrankt, war Tschirtner insgesamt fünf Jahrzehnte in Gugging, wo auch ich ihn betreuen durfte“, erklärt Feilacher. Mit seinen geschlechtslosen Kopffüßlern lehrt uns Oswald Tschirtner die Konzentration auf das Wesentliche und zeigt zugleich, wie er sich fühlte. Der Ausstellungstitel „das ganze beruht auf gleichgewicht“ ist auch der Titel von zwei seiner Zeichnungen. Es war ihm einerseits nicht wichtig, was andere Menschen über ihn und seine Kunst dachten. Auf der anderen Seite war der Frieden mit seiner Umwelt sein höchstes Ziel. Zahlreiche Veranstaltungen wie Fokusführungen, der Gugginger Guglhupf, die offene Kreativwerkstatt oder Eltern-Kind-Kreativ begleiten die Ausstellung, die in nur 34 Minuten von Wien Heiligenstadt bequem öffentlich erreichbar ist.